Von Ulf Erdmann Ziegler

Zwei Touristen stehen auf dem Eiffelturm. "Mach mal’n Bild!" sagt der eine und drückt dem anderen die Kamera in die Hand. Dann lehnt er sich mit dem Rücken an die Brüstung, der Wind fährt ihm ins Haar, weit unter ihm in der Abendsonne liegt Paris.

Klick.

Drei Milliarden Mal jährlich machen allein westdeutsche Freizeit-Lichtbildner "Klick". Zurückgekehrt nach Tuttlingen oder Hildesheim, wird der Photograph vom Eiffelturm seinen Film beim Photohändler abgeben, in einer Drogerie oder einem Kaufhaus, und sich von jedem Negativ einen Abzug bestellen. Ein Erstabzug ist billiger als eine Nachbestellung. So gibt es, statistisch gesehen, zu jedem Negativ eines Hobbyphotographen genau einen Abzug.

Das Farblabor "Kiki" ist ein unscheinbarer Laden in einer Gegend, wo das prächtige Berlin aufhört, südlich der Stadtautobahn, neben einer Biobäckerei. Bei Kiki produzieren sechs Mitarbeiter täglich zehntausend Farbbilder. Eine der Laborantinnen sitzt vor einem weißlackierten Gerät aus Stahl, das über einen kleinen Bildschirm den Blick in sein Inneres freigibt: Hier erscheinen die Farbnegative im typischen Orange mit Spuren von Blau.

Die Laborantin, die ihren Job Kopieren nennt, entscheidet auf der Stelle, ob das Bild gelungen ist. Im Umgang mit den Kunden (bei Kiki hat man noch direkten Kontakt) hat sie gelernt, nicht zu rigoros zu sein: Auch ein unscharfer Onkel soll aufs Photopapier, besonders wenn er kurz nach der Aufnahme gestorben ist. Landschaften, wenn sie nicht ganz scharf sind, bleiben Negativ. Keiner vermißt sie.

Obwohl meist anspruchslos, sind Photokunden zuweilen schwierige Kunden. Eine ferne Erinnerung an längst vergangene Photographier-Zeiten treibt manche von ihnen noch immer zum Photo-Fachmann, wenn es heißt, einen Film zu wechseln – eine Tätigkeit, die inzwischen weniger Geschick erfordert als das Betanken eines Autos. Es wird berichtet von einem Ehepaar in Kiel, das eine Auszubildende beschimpfte, weil ihr beim Eintüten der Pocketfilm zu Boden gefallen war: Alle Aufnahmen seien jetzt verwackelt. Erst der Chef vermochte die Kunden zu beruhigen.