Von Hanno Kühnert
Frankreich 1784. Das Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges liegt ein Jahr zurück. Die Franzosen sind von dem Freiheitskampf der Amerikaner erregt. Ihr König hatte die Rebellen unterstützt – in der Meinung, damit England zu schaden. Im Volk jedoch hatte der Unabhängigkeitskrieg jenseits des Meeres ganz andere Träume geweckt. Harte Steuern, der Übermut der Steuerpächter, hohe Lebensmittelpreise, die Privilegien des Adels und des Klerus, die keine Steuern zu entrichten hatten, grenzenlose Armut, eine korrupte Justiz, am Hof in Versailles Wohlleben, Ahnungslosigkeit, Verschwendung – und das alles zu einer Zeit, da die Ideen der Aufklärung über die Diskussionszirkel der Pariser Intellektuellen hinaus populär zu werden begannen: Es braute sich längst etwas zusammen. Da war die Halsbandaffäre, die in jenem Jahre ’84 begann, nur Tüpfelchen auf dem i, ein Ereignis, dessen Folgen gleichsam unterirdisch weiterwirkten. Es gibt Franzosen, die glauben, ohne diese Affäre hätte die Königin nicht auf der Guillotine sterben müssen. Die Geschichte um das Collier der Marie Antoinette, um das teuerste Diamantenhalsband der Zeit, hat dem Ruf der Gemahlin Ludwigs XVI. geschadet, das sinkende Ansehen der Monarchie weiter lädiert – und dies völlig ohne unmittelbares Zutun der Königsfamilie.