In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben deutsche Aktien im internationalen Vergleich zwar nicht gerade glänzend abgeschlossen, immerhin aber Weltmärkte wie London und New York hinter sich gelassen. In den ersten Juni-Tagen ist der Anstieg, wenn auch durch Gewinnmitnahmen unterbrochen, weitergegangen.

Bemerkenswert daran ist, daß diesmal die Anlageinitiative von den Inländern ausging. Ausländer, darunter auch Schweizer, sind erst später und dann auch nur sehr vorsichtig gefolgt. Die deutschen institutionellen Anleger reagierten endlich auf das in den vergangenen Wochen günstiger gewordene Umfeld, das heißt auf den stabilen Dollar, das wieder in Fahrt kommende wirtschaftliche Wachstum, den in der Wirtschaft keimenden Optimismus und vor allem auf den zum Stillstand gekommenen Zinsanstieg.

Schrittmacher für die freundliche Aktientendenz war an den meisten Tagen Siemens. Innerhalb einer Woche ist der Siemens-Kurs um rund fünfzig Mark gestiegen. Auch bei Daimler bahnte sich eine Kurserholung an. Sie wird allerdings immer wieder durch Gewinnmitnahmen unterbrochen. Nicht überall stößt nämlich die Diversifizierung des Konzerns auf Begeisterung.

"Elefantenhochzeiten" werden in der Bundesrepublik sehr nüchtern betrachtet. Das läßt sich auch am RWE-Kurs ablesen, der auf die Übernahme der Deutschen Texaco keine Reaktion zeigte.

K.W.