Und der Engel sprach zu Zacharias: "Fürchte dich nicht. Dein Gebet ist erhört, und dein Weib wird dir einen Sohn gebären, den du Johannes nennen sollst. Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich seiner Geburt freuen." Das Lukas-Evangelium, kaum begonnen, kulminiert, wegweisend und zeichensetzend, mit einem Crescendo der Freude: Glück wird sein, Jauchzen und Triumph, Frohlocken und Jubel. Der Tenor ist enthusiastisch, die Verheißung überwältigend. Zur sanften Seligkeit, der tiefinneren Freude, dem Gewißsein in Gott, gesellt sich die Begeisterung, die sichtbar werden wird vor allem Volk. Zufriedenheit im Herzen verbindet sich mit dem Glücks-Ausbruch in der Gemeinschaft; die griechischen Worte "froh sein" und "unaussprechlicher Jubel", behutsames "von Freude erfüllt sein" und strahlendes Jauchzen, Entzücken und Enthusiasmus, das zarte Für-sich-Behalten und die Preisgabe des Glücks in "orientalischem Gesang", der die "Zunge jubeln" läßt und jedermann zum Teilhaber der Großen Freude macht, ergänzen einander.

Die Evangelien – die lukanischen Schriften, in denen sich ein Viertel aller neutestamentlichen "Jubel"- und "Freude"-Worte nachweisen läßt... die Evangelien sind kein erbaulicher Traktat, kein pietistisch-puritanisches Andachtsbüchlein zum Trost des inneren Menschen, sondern ein Dokument, in dem zur Verheißung der Erlösung in Gott der Verweis auf einen Welt-Bezug kommt, der durch Dankbarkeit und eine ebenso demütige wie souveräne Zuversicht charakterisiert wird.

Verhaltenheit paart sich mit einem Pathos, das auch dramatische Akzente nicht scheut: Da hüpft – statt behutsam anzuklopfen – ein Kind vor Freuden im Leib seiner Mutter; da jauchzt Jesus, begeistert und gotterfüllt, im Geist; da wird, mit gewaltiger Stimme im Zeichen eines neuen, freudebestimmten Äons, Friede vom Himmel verkündet; da vertreibt der Engel die Furcht: "Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird." Strahlende Präsenz, wohin immer man blickt; Vergegenwärtigung des Jubels in munterem Sich-Umtun und in weltlicher Geschäftigkeit.

Freude aber auch im Zeichen des Todes: "Solches rede ich zu euch, auf daß meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde", bedeutet der zum Sterben bereite Jesus seinen Jüngern; Freude im Zeichen des Abschieds und Freude im Zeichen der Heimkehr: "Nun aber komme ich zu dir", betet Jesus, die Augen zum Himmel erhebend, im hohenpriesterlichen Gebet, "und rede solches in der Welt, auf daß (die Menschen in aller Welt) meine Freude haben – vollkommen."

Das Neue Testament: the book of joy‚ wie man, ein bißchen grobschlächtig, aber nicht falsch, heute in Amerika sagt. Joy im Kleinsten und Größten: Der Schäfer freut sich, wenn er das verlorene Schaf wiederfindet, und die Jünger frohlocken in einem Augenblick, da, in Bethanien, Zeit und Ewigkeit sich miteinander verschwistern.

Chairein kai agallian, fröhlich sein und frohlocken, der Zufriedenheit im Herzen inne werden, dem Geborensein in Gott, und laut (doch fern aller Überheblichkeit) triumphieren, im Akt einer dramatischen, mimisch-gestisch unterstrichenen Glückspräsentation: eins nicht ohne das andere!

Jüdische Apokalyptik, verbunden mit Welt-Heiligung: Freude manifestiert sich im Fest, das die Grenzen zwischen Innen und Außen sprengt. Das Individuum preist Gott in der Gemeinschaft; seelisches Glück gewinnt Anschaulichkeit in Prozession und Tanz und liturgischem Kult, der das Gottesgeschenk der Freude sinnfällig macht. Da wird das Mahl zur großen Festivität, der Gesang zum Lobpreis, den, verleiblicht in der Gemeine der Frommen, die gesamte Schöpfung anstimmt. Da werden, in Palästina nicht anders als in Griechenland, die heimkehrenden Erntewagen und die Krüge besungen, deren Trauben kostbare Getränke versprechen. Fest des Herrn und Fest des Landes, Fest der Menschen und Fest aller Natur: "Ich freue mich im Herrn", heißt es beim Propheten Jesaja, im 61. Kapitel, "und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils, und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck gezieret, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide pranget. Denn gleich wie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten gehet, also wird Gerechtigkeit und Lob aufgehen ...aus dem Herrn."