Für Mittelamerika war er einmal eine Hoffnung, der christdemokratische Präsident El Salvadors, José Napoleon Duarte. An einer Stelle sollte sich eine demokratische Mitte zwischen linker Guerilla und rechter Diktatur behaupten, Vorbild sein und Modell werden.

Doch nichts ist gelungen: Der Bürgerkrieg geht weiter, mehr als 60 000 Menschenleben hat er in acht Jahren gefordert; bei den jüngsten Wahlen haben die Nationalisten die Christdemokraten geschlagen, und durch kurzsichtige Rivalität zweier Männer, die den 62jährigen Duarte beerben wollen, hat sich seine Partei gespalten. Die besitzende Oligarchie hat ihre Privilegien verteidigt, die Landreform ist gescheitert, die Armut eher noch größer geworden.

Duarte wird jetzt in einem Washingtoner Krankenhaus wegen Krebs behandelt; in die Politik seines Landes kann er nicht mehr eingreifen, das "Experiment Mitte" ist gescheitert. Da ihn aber alle kritisieren, die Linke als yankee-hörig und die Rechte als verkappten Kommunisten, hat er wohl schon den richtigen Weg eingeschlagen: Reformen statt Revolution oder Reaktion. Er mußte notgedrungen schwach bleiben, weil er für seinen Erfolg jene Zustände benötigte, die er erst schaffen mußte.

Die Einsicht in diesen Teufelskreis verleitete ihn zu Fehlern. Seine Regierung hat viele Hilfsgelder erhalten und wenig damit bewirkt – vielleicht auch eine Lehre, daß eine Großmacht sich von früherer Verantwortung nicht freikaufen kann.

Zum Schluß konnte er nicht einmal einen Frieden herbeiführen. Er war zu schwach, um seine Gegner zu überzeugen, und fest genug, ihnen keinen undemokratischen Ausweg einzuräumen. José Duarte war eben kein Napoleon, mit dem er die bittere Erfahrung teilt, daß Kriege leichter anzufangen als zu beenden sind. -bi