Wir fragen uns ja alle, wie weiland Erich Kästner: "Wo bleibt das Positive?" In Bonn weiß man gleich, von wem man die Antwort erhalten kann: von Friedhelm Ost.

Es soll also nicht länger verheimlicht werden: Auch das Gipfeltreffen von Reagan und Gorbatschow in Moskau war in Wahrheit Kohls Werk. So hat es der Kanzlersprecher verkündet, wir spitzen es nur noch ein klein wenig zu: "Der Bundeskanzler hat sich ja, wie Sie wissen, seit 1982 öffentlich wiederholt für solche Gipfeltreffen der Großmächte eingesetzt..." – "Die Beharrlichkeit und Geschlossenheit der westlichen Politik wurde beim Moskauer Gipfel dadurch gekrönt, daß der INF-Vertrag in Kraft gesetzt wurde. Sie wissen, daß gerade der Bundeskanzler wesentlich dazu beigetragen hat, daß ein solches Abkommen möglich wurde – insbesondere mit der Pershing-Ia-Entscheidung vom August 1987." – "Der Bundeskanzler beabsichtigt, die bilateralen Beziehungen mit einer neuen Qualität zu erfüllen."

Bonn ist zwar Reagan keine Zwischenlandung wert und steht auch sonst ein wenig im Schatten. Aber je deutlicher das wird, um so lauter wird auch das Selbstlob.

Offenkundig nimmt Friedhelm Ost eben wirklich die Vorwürfe bitterernst, daß er die Regierung schlecht verkaufe. Greifen wir noch ein Beispiel heraus. Gerade hat der Präsident der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, Franke, die neuesten Arbeitslosenzahlen verkündet und relativ nüchtern bilanziert, der Arbeitsmarkt stagniere.

Was wird Ost dazu sagen? "Die Frühjahrsentwicklung des Arbeitsmarktes ist im Mai mit einem erneuten spürbaren Rückgang von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit weiter vorangekommen... Positiv zu bewerten sind vor allem..."

"Der städtische liberale, an seinen individuellen Lebensentwürfen zuerst orientierte konsumfreundliche Citoyen, der zugleich aber gegen Atomkraft und ökologischen Wahnsinn nicht nur protestiert (wir sind bei der Hälfte des Satzes angelangt), ebenso wie er den ausgegrenzten und von neuer Armut betroffenen Minderheiten sich solidarisch verpflichtet weiß, ist das Subjekt unserer Demokratievorstellungen." So steht es in einem Manifest der Realo-Grünen.

Wohl oder übel gehen sie eben auch in der Hinsicht den Weg, den die anderen Parteien längst gegangen sind: Sie möchten sich als Partei zurechtschneiden nach dem Wählermarkt. Eine ökologische Yuppie-FDP – so oder so ähnlich. Auch beim zweiten Lesen wird mir übrigens nicht ganz klar, ob ich wirklich das "Subjekt der Demokratievorstellungen" der Grünen werden möchte.