Rechtlich gesehen schließen Fluggesellschaf: und Passagier mit dem Verkauf eines Tickets einen Beförderungsvertrag ab. Die Fluggesellschaft macht sich schadenersatzpflichtig wenn sie den Vertrag nicht einhält. Dementsprechend hat der Passagier grundsätzlich Anspruch nicht nur auf die Reisekostenrückerstattung, sondern auch auf Schadenersatz vor. zusätzlich entstandenen Kosten wie Hotel Leihwagen, Zusatzticket, wenn ein Flug annulliert wird oder sich beträchtlich verspätet.

Dieser Anspruch gilt jedoch nur, wenn nachgewiesen werden kann, daß die Fluggesellschaft allein Schuld an der Annullierung oder Verzögerung trägt (zum Beispiel durch Maschinenschaden oder verzögerte Abfertigung), Kann die Fluggesellschaft ihrerseits belegen, daß sie aufgrund externer, nicht selbst verschuldeter Faktoren (Wetter, Überlastung des Luftraums, also "höhere Gewalt") ihrer Pflicht nicht nachkommen konnte, so entfällt der Anspruch auf Schadenersatz.

Verpaßt also Passagier X, der mit Lufthansa von München nach Frankfurt fliegt, in Frankfurt seinen Anschluß-Charterflug, weil die Maschine in München wegen Überlastung des Luftraumes erst mit drei Stunden Verspätung starten konnte, so muß der Passagier die Kosten für den verpaßten Charterflug aus eigener Tasche bezahlen. Eine Strafanzeige hätte hier nur Aussicht auf Erfolg, wenn konkret menschliches Verschulden nachgewiesen werden kann. Wer aber trägt die Verantwortung für den überlasteten Luftraum? Die Klage müßte gegen Unbekannt geführt werden und ist entsprechend aussichtslos.

Eine solche Klage gegen Unbekannt führte im November vergangenen Jahres der Münchner Zivilrechtler Professor Walter Löwe: Der Jurist empfand es als Freiheitsberaubung, zwei Stunden lang eingepfercht in einer Maschine auf dem Münchner Flughafen warten zu müssen. (Aussteigen konnte er aus Sicherheits- und organisatorischen Gründen nicht mehr: Der Kapitän einer Maschine darf sich laut Vorschrift nur mit startklarer Maschine bei der Flugsicherung zum Start melden, das heißt, die Türen müssen geschlossen sein, damit die Maschine für eine unmittelbare Starterlaubnis bereit ist.) Löwe stellte Strafanzeige gegen "unbekannte Fluglotsen", die seiner Ansicht nach den Abflug grundlos hinausgezögert und damit die Verspätung zu verantworten hätten. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt.

Anders als Linienflüge können Charterflüge nicht annulliert werden, allenfalls verschieben sich die Flugzeiten. Charterflüge sind meist Teil eines pauschalen Reisevertrages, der eine Gesamtheit von Leistungen erbringen muß. "Ist der Flughafen München-Riem aus Gründen der ‚höheren Gewalt‘ dicht, dann organisieren wir eine Fahrt nach Nürnberg und fliegen von dort", erklärt Jacko Hassenmeier, Pressesprecher bei TUI.

Regreßansprüche wegen Wartezeiten bei Pauschalreisen sind von Fall zu Fall verschieden: Muß ein Passagier beispielsweise auf einer Wochenendreise sechs Stunden Verspätung in Kauf nehmen, so ist die Wartezeit in Relation zur gesamten Urlaubszeit erheblich, und er kann vom Reiseveranstalter eine Reduzierung des Reisepreises verlangen. Sechs Stunden Wartezeit bei einer vierzehntägigen Urlaubsreise dagegen gelten als "bloße Unannehmlichkeit" und müssen entschädigungslos hingenommen werden. piep