Am zweiten Tag gab es eine leichte Unruhe. Zwei Vertreter des "Schiller-Instituts für republikanische Außenpolitik" (Hannover, Tel. 0511/32 03 38) hatten sich an der Gendarmerie vorbeigeschlichen und in die Zimmer der Bilderberger ein Flugblatt voller Absonderlichkeiten eingeschmuggelt. Es wetterte gegen die "neue Entspannung" und gegen "Neo-Malthusianer", malte das Gespenst einer bevorstehenden "Killer-Depression" an die Wand und forderte unter anderem die beschleunigte Entwicklung von SDI und Kernfusion, ein "Westliches Mars-Kolonialisierungs-Weltraumprogramm" und ein "Manhattan-Projekt" zur Bewältigung der Aids-Pandemie.

Hinter Flugblatt und Schiller-Institut verbergen sich die LaRouches – der ewige, ewig abgeschlagene amerikanische Präsidentschaftsbewerber Lyndon H. LaRouche und seine deutsche Frau Helga Zepp-LaRouche, Protagonistin der rechts-esoterischen Europäischen Arbeiterpartei und Vorsitzende von deren Frontorganisation Patrioten für Deutschland (Bundestagswahl 1987: 0,1 Prozent). Ihre Sendboten hatten schon öfter bei Bilderberg-Konferenzen demonstriert. Über Zweck, Größe, Arbeit und Hintergrund gibt das Hannoveraner Institut – Gründerin und Vorsitzende: Helga Zepp-LaRouche – am Telephon keine Auskunft: "Sie können sich ja schriftlich an uns wenden und das Gründungsprotokoll bestellen. Das kostet 25 Mark."

In Amerika gilt LaRouche als "eisenharter Neonazi", seine Philosophie als antisemitisch, konfliktsüchtig und atomversessen, seine Bewegung als lunatic fringe: eine verrückte Randgruppe. Seine Frau kennt das deutsche Publikum vor allem aus ihren wirren Wahl-Fernsehspots. Ihr Flugblatt-Stoßtrupp im Berghotel der Bilderberger raubte höchstens ein paar ob ihrer Unachtsamkeit zusammengestauchten Tiroler Gendarmen den Schlaf.

Theo Sommer