Daß jeder Besucher zufrieden und voller Eindrücke das Haus verläßt, garantiert ein Stammpublikum. Für den großen Zustrom aber „muß immer wieder der Funke überspringen“. Auch kulturelle Ereignisse brauchen dazu heute Themen mit hoher Akzeptanz.

Das „Gold der Thraker“ zum Beispiel und die Kunstschätze aus Alt-Nigeria waren keine Erfolge. Die Droge Ägypten aber wirkt sicher. „Das alte Ägypten hat etwas Mythisches, etwas Emotionales. Tatsächlich sind die Pharaonen ja aus einer unendlich fernen Zeit physisch erhalten geblieben“, erklärt Arne Eggebrecht. „Die Epoche ist zeitlich nicht vorstellbar und dennoch in Dichte und Fülle erhalten.“

Die letzten Sätze sagt er ein bißchen in die Runde. Mit Arne Eggebrecht in Hildesheim zu reden ist ungefähr so wie mit dem Rattenfänger durch Hameln zu ziehen: Wo er geht und steht, rücken die Zuhörer heran. Zwischen Forschungsaufträgen hat er früher oft Studienreisen nach Ägypten begleitet. „Seitdem weiß ich“, sagt er und lacht, „daß ich Menschen fessein kann.“

Bruderkuß links, Bruderkuß rechts. Der Professor an der Kairoer Universität wird als Chef-Restaurator die große Sphinx von Gizeh restaurieren, heute aber will er die zusammengefügten Königsbildnisse in Hildesheim sehen. Die Welt der Ägyptologen ist klein, die dreißig, vierzig Top-Leute, welche über die fragilen Kostbarkeiten aus dem Nil-Delta herrschen, kennen sich untereinander. Sie kennen auch alle den Mann, der an der Nahtstelle zwischen den europäischen und amerikanischen Museen und dem ägyptischen Mutterland sitzt, das große Probleme zu lösen und eine unendliche Hinterlassenschaft zu pflegen hat. Kontaktmann Eggebrecht bringt viel technische und finanzielle Hilfe.

Über Anträge von Museum zu Museum läuft nichts in so einem Zirkel. Nur über die Person: Jedes der begehrten ägyptischen Exponate, die den Hildesheimer Sonderausstellungen ihren Ruf eintrugen, bekommt Arne Eggebrecht aus New York, Turin, Boston, Ost-Berlin persönlich und vertrauensvoll in die Hand.

Jetzt aber wandern Plakatentwürfe dorthin. Die Graphikerin präsentiert ihre Ideen für die kommende Ausstellung: die Skythen.