DIE ZEIT

Patt in Paris

Nur einen Monat nach seiner glanzvollen Wiederwahl ist Präsident Mitterrand von den Franzosen desavouiert worden. Am Sonntag versagten sie ihm die absolute Mehrheit im Parlament, um die er gebeten hatte.

Union im Spreizschritt

Zumindest am Anfang geriet der CDU-Parteitag zu einer einzigen Scheit-Kanonade der Delegierten. Wenn der Kanzler, wie er es in Wiesbaden abermals tat, das Bild von der Karawane strapaziert, die unbeeindruckt von Widrigkeiten weiterzieht, dann wollen die Christdemokraten an der Basis nicht die Kamele sein, die den Wust der Widersprüche, Handwerksfehler und unausgesetzten Streitigkeiten in Bonn schleppen müssen.

Kein Terror?

Frage: Wie verwandelt man einen Ausnahmezustand in einen Dauerzustand? Antwort: Indem man ihn Jahr für Jahr mit jeweils abgewandelter Begründung neu beginnen läßt.

Jenseits von Potsdam

Dreieinhalb Jahrzehnte nach dem ostdeutschen Aufstand: Hoffnung auf das europäische Haus?

Denkanstoß

In wenigen Monaten könnten Nato und Warschauer Pakt endlich verhandeln über die Verringerung der konventionellen Rüstung in Europa auf einen Stand, der keiner Seite die Fähigkeit zur Invasion der anderen beläßt.

Zwei Staatsmänner – ein Ziel

Der zweite Band von Kissingers Memoiren trägt den Titel "Years of Upheaval". Das Wort Umwälzung war – im Zusammenhang mit Watergate und den Folgen – innenpolitisch gemeint.

Wolfgang Ebert: Opfer für den Steuermann

„Und ich bin von der Aktion ’Rettet die Nordsee!’ schrie ich und wollte ihnen die Tür vor der Nase zuknallen. Aber schon hatte einer der beiden den Fuß dazwischen.

Amerikanischer Wahlkampf: Das Duell beginnt

Yale gegen Harvard? Als ob der Präsidentschaftswahlkampf ein Match der Ostküsteneliten wäre, hat Vizepräsident Bush seine eigene akademische Erziehung an der Yale-Universität in New Haven/Connecticut in Gegensatz zu der seines Kontrahenten Michael Dukakis gestellt, der die Harvard Law School in Cambridge/Boston absolviert hat.

Vergebliche Friedensmühen

Nach dem Algier-Gipfel und der gescheiterten Shultz-Mission: Wieder düstere Aussichten im Nahen Osten

Pakistan: Ein General spielt va banque

Nur unverbesserliche Optimisten können ernsthaft geglaubt haben, das am 15. April in Genf abgeschlossene Afghanistan-Abkommen werde der Region unverzüglich Frieden bringen.

Lenné-Dreieck in Berlin: Ärgerliche Attraktion

Die Mauer am Potsdamer Platz ist bunt bemalt wie eh und je. Ihr zu Füßen sitzen etwa ein Dutzend Besetzer des Lenné-Dreiecks, die meisten vermummt, und hören über Kassetten-Recorder Berlins Szene-Kabarettisten Martin Buchholz: ".

Nicaragua: Poker ohne Ende

Mit großen Erwartungen waren weder die Sandinisten noch die Contra-Führer in die jüngste Verhandlungsrunde über einen Frieden in Nicaragua gegangen.

WELTBÜHNE: Rache der Unterdrückten?

Rauschgift – Kokain und Heroin vor allem – wird als Geißel der westlichen Welt mehr oder minder erfolgreich bekämpft, meist mit minderem Erfolg.

BONNER BÜHNE: Mach’s noch mal!

Neulich auf Schloß Auel saßen sie zusammen in angenehmer Runde, und der Bonner Umweltminister fragte Hans Jonas, der die Philosophie im ökologischen Zeitalter vorausgedacht hat, ob er dessen „Heuristik der Furcht“ recht verstanden habe.

KURZPORTRAIT: Mimose in Uniform

Wenn er gut ist, macht er sich unbeliebt bei Vorgesetzten. Oder bei solchen, die schon immer das Amt des Wehrbeauftragten insgeheim für fragwürdig gehalten haben.

NACHLESE: Opfer in Somalia

Die Demokratische Republik Somalia wäre hierzulande weitgehend unbekannt, wenn ihre Hauptstadt nicht Mogadischu hieße. Dort befreite die GSG 9 im deutschen Herbst 1977 die Geiseln aus der entführten Lufthansa-Maschine.

Leben mit der Todeskurve

Erkenntnisse der jüngsten Forschung: Die Epidemie kommt mit Verzögerung – aber sie erfaßt neue Bevölkerungsgruppen

Europameisterschaft: Fußball gegen den Strich

Im Fußball ist alles möglich. Nur dies nicht: Daß man den Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Franz Beckenbauer, in einem Spiel einmal auf der Bank sitzend erlebt.

Frauen-Leitstelle: Noch ohne Leitende

er wird denn nun die Nachfolgerin von Eva Rühmkorf sein? „Das wüßten wir auch gern“, sagen die Mitarbeiterinnen der Leitstelle zur Gleichstellung der Frau in Hamburg.

Daimler rüstet auf

Fliegt der Airbus demnächst mit einem Mercedesstern auf der Nase? Ist das Armaturenbrett eines Daimler-Autos bald nicht mehr von einem Flugzeugcockpit zu unterscheiden? Auch solch harmlose Fragen sind erlaubt, wenn die Stuttgarter Daimler-Benz AG sich anschickt, den Münchner Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) zu übernehmen.

Börsenaufsicht: Zu lasch

In der Welt der Börsenfunktionäre herrscht wieder eitel Sonnenschein. Dafür sorgte vergangene Woche die Prüfungskommission für Insiderfragen an der Berliner Wertpapierbörse.

Bonner Kulisse

In der neunten Änderung des Bonner Abgeordneten-Gesetzes fällt schon gar nicht mehr auf, daß es um MdB-Diäten geht. Zu Paragraph 11 des Gesetzes heißt es nur ganz lapidar: „In Absatz 1 wird die Zahl ‚8729‘ durch die Zahl ‚9013‘ ersetzt.

Peter Christ:: Standortnachteil Stoltenberg

Der letzte Akt der „größten Steuerreform aller Zeiten“ (Helmut. Kohl) sollte die „größte Steuersenkung in der Geschichte der Bundesrepublik“ (Helmut Kohl) sein – kleiner geht’s anscheinend nicht.

Airbus: Start frei nach Osten

Die Nachricht klingt gut. Der Pariser Cocom-Club, in dem die westlichen Industrieländer den Handel mit dem Ostblock überwachen und von Fall zu Fall entscheiden, ob westliche High-Tech, die auch militärischen Zwecken dienen könnte, exportiert werden darf oder nicht, wird den Export von zwei Airbus-Flugzeugen in die DDR genehmigen.

Neue Brücke nach Europa

Bis tief in die Nacht treiben Dampfhämmer Stahlprofile in den Grund des Goldenen Horns: der Anfang einer neuen Brücke, die bald die unter Autokolonnen ächzende Galata-Brücke ersetzen soll.

Bank und Börse: Neues Spiel – alte Masche

Das Angebot ist verlockend. Die Tübinger Terranova Kapital Treuhand bietet Anlegern „drei Prozent monatliche, garantierte Rendite“, was einer Verzinsung von über vierzig Prozent pro Jahr entspräche.

Markt-Report: Viel Bewegung

Die Wochen der Langeweile sind am deutschen Aktienmarkt vorüber. Zwar immer durch Gewinnmitnahmen unterbrochen, geht der Anstieg der Kurse weiter.

Schutz für die Natur

ZEIT: Wird das Unternehmen Preussag, das im Wattenmeer der Nordsee nach Öl bohren will, Opfer von politischem Aktionismus? Kuhbier: Nein, das seh’ ich überhaupt nicht.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Spuk dauerte nur eine Nacht: Am Sonntag abend meldete die Nachrichtenagentur vwd, die Brüder Friedrich Christian und Gert-Rudolf Flick wollten an diesem Donnerstag den Kleinaktionären der Feldmühle Nobel AG per Anzeige ein Übernahmeangebot zum Kurs von 350 Mark pro Aktie machen.

ZEITRAFFER

Rekordhöhe hat der deutsche Export erreicht. Im März wurden Waren im Wert von 50,06 Milliarden Mark ausgeführt. Der Ausfuhrüberschuß war mit 8,6 Milliarden Mark aber um 1,5 Milliarden Mark geringer als im März 1987.

Bild

Reichsmarkreserven in sowjetischem Besitz wertlos werden; außerdem war wegen der strafferen Preiskontrollen und der Schließung der Altbanken das Problem des Geldüberhanges in der sowjetischen Besatzungszone ohnehin nicht so drängend wie im Westen.

Alte Wunden und Tabus

Daß ein Buch sich selber dementiert, kommt selten vor. Er habe sich, schreibt unser Autor, um eine Distanz bemüht, die dem Augenmaß zugute kommen und die Leidenschaft zügeln solle.

Ein deutscher Sonderweg

Deutschland vor vierzig Jahren: das bedeutete Teilung, Besatzung, Hunger und Not. Um die Versorgungslage der Bevölkerung zu verbessern, hatten Amerikaner und Briten, nachdem Franzosen und Sowjets nicht mittun mochten, bereits 1947 ihre beiden Zonen zur sogenannten „Bizone“ zusammengelegt.

Rock-Politik

We don’t need no education... Der Refrain war das letzte Fanal der antiautoritären Epoche. "Wir brauchen keine Erziehung, wir brauchen keine Gedankenkontrolle.

NORBERT ELIAS: Was ich unter Zivilisation verstehe

Als ich mich in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts daran machte, ein Buch über langfristige Wandlungen des menschlichen Empfindens und Verhaltens zu schreiben, wurden mir nach und nach die Hauptschwierigkeiten eines solchen Unternehmens klarer.

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