DIE ZEIT

Dreister Zugriff

Lange Zeit haben wir geglaubt, politische Skandale hätten letztlich auch ihr Gutes. Das reinigende Gewitter der Aufklärung sorge für saubere Luft, wirke abschreckend und lasse die Maßstäbe des politischen Anstands deutlicher ins Bewußtsein treten.

Knüppel aus dem Sack

Da strampelt sich die SED-Führung Jahr um Jahr ab, ihrem Staat das Mäntelchen der Wohlanständigkeit, der demokratischen Lupenreinheit, der obrigkeitlichen Gelassenheit umzuhängen.

Umbau am Rand des Abgrunds

Die Parteikonferenz, die Gorbatschows Anhänger im vergangenen Jahr dem zögernden Zentralkomitee abrangen, sollte zum Schichtwechsel führen.

Haitis Mächte

Fünf Monate hat der wahre Herrscher Haitis, Armeechef Henri Namphy, den zivilen Präsidenten Leslie Manigat amtieren lassen, bevor er ihn jetzt ins Exil jagte und die Macht wieder selber übernahm.

Aufgetaucht

Wie ein U-Boot aus dem Wasser taucht nun ein Brief aus dem Meer der Akten auf – jener Brief, den Franz Josef Strauß Ende Juli 1984 an Helmut Kohl in Sachen U-Boot-Geschäft mit Südafrika geschrieben hat; wenn auch vorerst nur als Photokopie.

Helmut Schmidt in Rostock

„Wenn wir unsere Mitmenschen wenigstens von einem Teil ihrer Ängste und ihrer Furcht befreien wollen, dann müssen wir sie reden lassen.

Wolfgang Ebert: Bilder einer Ausstellung

Am Eingang werden wir allerdings gleich mit einem Rückblick auf den militanten Stil der fünfziger Jahr konfrontiert. Diese Exponate stammen ausgerechnet von der Hand des einzigen Neulings, Rupert Scholz, dessen Hauptwerk, das in schwärzesten Farben gehaltene Bild „Rote Gefahr“, deutlich aus dem Rahmen fällt.

Marathon-Debatte: An den Frauen vorbei

Wir wollen keine Verschärfung des Strafrechts..." Darüber herrscht seit langem ein breiter gesellschaftlicher Konsens, eine Änderung des Paragraphen 218 ist wahrlich kein aufwühlendes Thema mehr, anderes treibt die Menschen um, die rasante Zerstörung der Umwelt zum Beispiel.

Kongreß in Godesberg: Kalter Krieg

Offiziell hießen die drei Tage in der und neben der Godesberger Stadthalle "Perspektiven-Kongreß", doch ein Kongreß war es allenfalls nach grünen Maßstäben.

Aus dem Vollen geschöpft

Die Beamten des Bundeskriminalamtes FBI waren mit tragbaren Computern ausgestattet und zur höchsten Sicherheitsstufe "streng geheim" verpflichtet, als sie am Dienstag vergangener Woche überraschend das Büro des Direktors für Schiffbau, Stuart Berlin, im Pentagon betraten.

Wahlen in Polen: Mißtrauen überwiegt

An den Litfaßsäulen verkündeten riesige Plakate: "Am 19. Juni wählen wir die Volksräte. Laßt uns Leute wählen, die für unsere Schwierigkeiten Verständnis haben!" In den Medien fand täglich eine Aufklärungskampagne statt: Wer kann wann wo wählen? Wie wird gewählt? Welche Kandidaten finden sich auf den Listen? Die Parteizeitung Trybuna Ludu beschwor: "Abwesenheit heißt Resignation.

WELTBÜHNE: Babylon ist überall

Die Dialektik ist unverkennbar: Während Datennetze, Satellitenfunk und Kabel die gesamte Welt zu einem Informationsraum zusammenwachsen lassen, nimmt der Stolz auf die eigene Sprache zu.

BONNER BÜHNE: Petenten und Prediger

Die Fünfklangfanfare eines Autofahrers aus Deutschland muß niederländischen Deutschland ten besonders unangenehm in den Ohren geklungen haben.

KURZPORTRAIT: Roms Sündenfall

Die List der Unvernunft hat das Paradoxe zustande gebracht: Ein Papst, den die meisten seiner Kritiker für konservativ, ja fortschrittsfeindlich halten, wird die Strafe des Kirchenausschlusses gegen einen Mann verhängen, der ihn selbst liberaler Ketzereien verdächtigt.

NACHLESE: Özal im Glück

Samstag, 18. Juni, Atatürk-Halle in Ankara. Turgut Özal, der türkische Ministerpräsident, hält die Eröffnungsrede auf dem Parteitag der regierenden Mutterlandspartei Anap.

Lebenslänglich

Ihre Begnadigung ist Sache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Bei Irmgard Möller und Manfred Grashof, die beide seit 1972 einsitzen, sind die Ministerpräsidenten Lothar Späth beziehungsweise Bernhard Vogel zuständig.

Rechtspflege à la Stammheim

Die Hauptverhandlung gegen Peter-Jürgen Boock wird am 25. 01. 1983 in Stuttgart-Stammheim eröffnet. Innenminister Gerhard Baum klagt darüber, daß die Verhandlung ausgerechnet in Stammheim ein schwerer Rückschlag für alle Bemühungen sei, Terroristen zum Aussteigen zu ermutigen, doch Generalbundesanwalt Kurt Rebmann läßt sich davon nicht beeindrucken.

Zwischen 1948 und 1969: Auch eine Ära Erhard

Sein Gesicht ist von Münzen und Briefmarken bekannt, und doch ist Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders und zweite Kanzler der Bundesrepublik, heute nahezu vergessen.

Bücher zur Kieler Affäre: Stoff für Legenden

Was sich in den Geschichtsbüchern unauslöschlich mit dem Namen Barschel verbindet, gehört vermutlich noch nicht einmal zu den ganz großen Skandalen der Nachkriegsgeschichte.

Geschichte: Aus weiblicher Sicht

Die zunehmende Bedeutung der Frau in der Politik ist heute kaum noch umstritten. Wer es tun wollte, stieße im Hinblick auf Margaret Thatcher, Indira Gandhi und Golda Meir, um nur drei Beispiele zu nennen, auf energischen und begründeten Widerspruch.

Das war der Gipfel

Samstag 21.30 Uhr, Westbury-Hotel in Toronto. Regierungssprecher Friedhelm Ost berichtet vor Journalisten über die Gemütslage seines Chefs: „Der Bundeskanzler geht mit Selbstbewußtsein und Zuversicht in diesen Gipfel.

Rainer Hupe:: Außer Thesen nichts gewesen

Schöne Worte sind wohlfeil. Wer sie noch hören will, der kann sie aus allen politischen Richtungen vernehmen. Selbstverständlich wäre es besser, ohne die zweifellos gefährliche Atomenergie auszukommen.

Flucht in die Ideologie

Nicht nur die gesamtwirtschaftliche Lage, auch ihre vorherrschende Deutung erscheint paradox: Während sich erstmals in der ökonomischen Entwicklung der Bundesrepublik auch in der Endphase eines moderaten Konjunkturaufschwungs die Verteilungsposition zwischen Arbeit und Kapital zu Lasten der Lohneinkommen verschoben hat, verharrt die Zahl der Arbeitslosen auf hohem Niveau.

Steuerreform: Stop smoking, fasten seat belt

In den Augen der Bürger wird der Bundesregierung die Steuerreform gründlich mißlingen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid rechnen 75 Prozent der Deutschen damit, 1990 über weniger Geld zu verfügen als heute.

Zeit und Geld: Unseriöse Angebote

Der Werbespruch ist zu schön, um wahr zu sein: „Kostenloser Urlaub auf Lebenszeit!“ Das versprechen Anlagevermittler all jenen, die sich ein Wohnrecht in Ferienhäusern oder Appartements für die schönsten Wochen des Jahres kaufen wollen.

Bank und Börse: Kapital für die Kleinen

Das heimische Aktienrecht hat sich in der Vergangenheit durchaus bewährt. Und trotzdem fordern fünf Professoren eine Veränderung der Rechtsvorschriften, weil sie kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang zur Börse erleichtern wollen.

Lieber sparen

ZEIT: Das wird die Bundesregierung ohnehin nicht erreichen: In der Rentenversicherung sind höhere Beiträge gewiß, in der Krankenversicherung wahrscheinlich.

MANAGER UND MÄRKTE

Autoverkäufer wissen ein Lied davon zu singen: Personenautos mit Dieselmotor laufen derzeit schlecht hierzulande. Der Diesel-Boom ist längst vorbei.

Die USA, Japan und Westeuropa haben heute die Schlüsselrollen in der Weltwirtschaft inne. Über die besondere Verantwortung, die aus dieser Position entsteht, diskutierten Amerikaner, Japaner und Deutsche in Tokio auf einem Symposium, das Japans größte Zeitung Asahi Shimbun zusammen mit der ZEIT veranstaltete.: Öffnung für die Zukunft

Der Zusammenbruch der Aktien- und Devisenmärkte nach dem Crash an der New Yorker Börse vom 19. Oktober vergangenen Jahres förderte von einem Tag auf den anderen eine lange Reihe von Schwierigkeiten zutage, Schwierigkeiten, mit denen sich heute die Weltwirtschaft konfrontiert sieht.

Der lange Abschied des Herrn K.

Über den deutschen Filmemacher Alexander Kluge und seine Expedition ins Privatfernsehen: ein Blick in die Werkstatt – und ein Porträt des Regisseurs als Risiko-Spieler

Zeitmosaik

Die Sessel sind weg! Ein gutes Jahr wurde die alte Villa des „Literarischen Colloquiums Berlin“ am Wannsee renoviert und restauriert, jede Menge Kassetten der Kassettendecke freigelegt und eine dicke Säule aus der Wand gepult, postmoderne Lämpchen montiert und neue Fenster eingesetzt – und dann das: statt der wundervollen, muffigen, sandgelben Sessel irgendwelches Gestühl aus dem Büromöbelfachgeschäft! Der arglose, nichtsahnende Besucher, zu einem kleinen Vorweg-Wiedereröffnungs-Imbiß gebeten (im Anschluß an die letzte Sitzung einer Diskussionswoche mit dem sinnigen Titel „Die erdichtete Wahrheit oder lügen die Historiker?“), wollte es kaum glauben.

Universitäten: Lobby der Zukunft

Werden unsere Universitäten zu höheren Lehranstalten? Haben sie gar vielerorts unter der Last der Ausbildung die Fähigkeit eingebüßt, ihrem Forschungsauftrag gerecht zu werden und damit dem Postulat nach Einheit von Forschung und Lehre zu entsprechen? Manche Entwicklungen sprechen dafür, daß die enorme Expansion der Ausbildungsaufgaben während der vergangenen 15 Jahre der Forschung in den Hochschulen geschadet hat.

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