In der Geschichte Schleswig-Holsteins kennen sich nur drei Personen aus. Davon ist einer gestorben, ein anderer verrückt geworden – ich bin der dritte, habe aber leider alles vergessen.“ Mit diesem Schnack – angeblich ein Ausspruch von Lord Palmerston – verweisen Schleswig-Holsteiner gerne auf die wechselvolle, komplizierte Vergangenheit ihres Landes, dem der Ripener Freiheitsbrief vom 4. April 1460 vergeblich zusicherte, „ewich tosamende ungedelt“ zu bleiben.

Als der Knecht eines Dithmarscher Ochsenmästers sich 1848 unter dem Eindruck der Schriften Uwe Jens Lornsens und der deutschen Revolution den Freikorps gegen die Errichtung eines dänischen Gesamtstaates bis zur Eider anschließt, glaubt er, einem freiheitlich deutschen Nationalstaat der Zukunft zu dienen.

Dem brutalen Regiment des Marschbauern entkommen, findet Jan in der 2. Kompanie des 4. Freikorps unter Major Freiherr von der Tann keineswegs idealistisch-heldische Freiheitskämpfer, sondern vorwiegend arme Teufel und bornierte Militärs. In blutigen Mann-gegen-Mann-Gefechten, auf skrupellosen Beutezügen durch ausgeplünderte Dörfer, unter dem Druck unbedingten Gehorsams verliert Jan den Glauben an Freiheit und deutsche Brüderlichkeit. Er desertiert und wandert schließlich wie Tausende seiner Generation nach Nordamerika aus.

Im Wechselspiel von historischen Fakten, erfundenen Einzelschicksalen und zeitgenössischen Abbildungen führen Wolfgang Wegner und Evamaria Steinke die Grausamkeit jeder kriegerischen Auseinandersetzung und die Ausweglosigkeit freiheitlicher Bemühungen in einer auf beiden Frontseiten ständisch organisierten Gesellschaft vor.

Ganz offensichtlich wollen die Autoren das politische Schicksal idealistisch gesinnter junger Leute niedriger Stände im 19. Jahrhundert an einem, wenn auch nicht beliebigen, so doch in der europäischen Geschichte und Geographie häufiger aufzeigbaren Konflikt beispielhaft entwickeln. Dazu gehört auch der wachsende Einfluß von Wirtschaft und Kapital, wie er hier durch den Fettgräser Matthiesen verkörpert wird, der seine Mastochsen gewinnbringend an dänische und deutsche Truppen verkauft.

Doch wer heutzutage einen geschichtlichen Jugendroman über die Erhebung der deutschen Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark im Revolutionsjahr 1848 schreibt, bleibt eben nicht im historischen Raum, sondern rührt an eine noch immer empfindliche Stelle vieler Menschen nördlich wie südlich der deutsch-dänischen Grenze.

Aus einer Dankadresse ist zu schließen, daß Wegner und Steinke bei ihren Recherchen die vorzüglich ausgestattete und geführte Bibliothek der dänischen Minderheit, die Dansk Centralbibliotek for Sydslesvig in Flensburg benutzten. Ob den jungen Autoren bewußt war, daß sie aus einer dänischen Bibliothek gerade die Untersuchungen ausliehen und nachweisbar benutzten, die die deutsche, nicht die dänische Sicht der Geschehnisse dokumentieren?