Aber damit ist das Problem noch lange nicht gelöst. Die Boomjahre haben viele junge Leute in Spitzenstellungen gebracht, auch die eine oder andere Frau, die zumeist noch im Ausland ausgebildet waren und sich jetzt auf eine lange, sichere Karriere einstellen können. Nun aber pochen die Nachrücker an die Tür – und finden die Schreibtischsessel besetzt. Andere, weniger angesehene Tätigkeiten, zumal in Handwerk, Ausbildung und Industrie, sind für die meisten Jungen nicht attraktiv, die überläßt man lieber den willig jede Chance wahrnehmenden Zugereisten aus Südasien.

Hier liegt die eine, wahrscheinlich die größte Herausforderung im Kielwasser der Modernisierung. Die andere gilt mehr den traditionellen Werten einer homogenen Gesellschaft, in der sich jeder als gleichberechtigt empfindet; in der Diebstahl so gut wie unbekannt und die Familienbande fest geknüpft sind. Weltoffen sind die Omaner stets gewesen. Von der Einführung der Sharia, der Moralgesetze des Koran, in die weltliche Justiz, wie Saudi-Arabien es vorexerziert hat, halten sie nichts. Aber natürlich regen sich die Versuchungen des neuen Reichtums. Die klassenlose Gesellschaft zeigt erste Risse. Die üppigen Paläste, die entlang der Maskater Autobahn die kargen Hügel emporklettern, sind der deutlichste Ausdruck davon. Mancher munkelt schon einmal von der angeblichen Neigung vieler Regierungsbeamter, sich durch geschäftliche Nebentätigkeiten ein Zubrot zu verdienen und darüber die Staatsinteressen zu vernachlässigen.

Vor allem aber: Wie kann das kleine stolze Land den Ansturm der westlichen Massenkultur abfangen, der rundherum, auch aus dem Äther, heranbrandet? Die omanische Antwort lautet: Dämme bauen. Ein eigenes Fernsehen sendet auf zwei Kanälen, aber der Empfang von Satellitenprogrammen ist verboten. Ein modernes Telephonnetz verbindet das Land blitzschnell mit der weiten Welt, aber die Einreise von Personen wird streng dosiert. Westliche Filme werden im Fernsehen gezeigt. Aber wenn es einmal so aussieht, als könnten die Hüllen fallen, werden die anstößigen Stellen herausgeschnitten. Barbusige Mädchen in importierten westlichen Zeitungen werden durch schwarze Aufdruckbalken wieder züchtig.

Tourismus in Maßen

Der Tourismus könnte eine willkommene Einnahmequelle sein. Das Land hat wunderschöne, endlose Strände, an deren Horizont sich der weiße Sand mit dem blaudunstigen Himmel vermengt, genug für Tausende von Ferienhungrigen aus Übersee. Aber die Touristenschleusen werden nur zögernd geöffnet. Staatsangehörige der Golfstaaten dürfen inzwischen ohne Visum einreisen, auch kleine Gruppen älterer, betuchter Semester aus Europa sind in Maßen willkommen. Der Plan, Maskat zu einem internationalen Service-Center für den Mittleren Osten zu machen, einer Art sauberem, krisenfestem Hongkong, ist wohl erwogen, aber rasch wieder verworfen worden. Dafür sei es, gesteht ein Kabinettsmitglied, noch zu früh. "Denn wenn wir jetzt damit anfangen, hieße das doch, wir würden nur noch mehr von Ausländern abhängig".

Wie lange können solche Dämme halten, wie lange kann Oman die Standarderfahrung widerlegen, daß rapide Entwicklung entweder zu politischen Verwerfungen oder zu kultureller Nivellierung führt? Für die nahe Zukunft stehen die Chancen nicht schlecht, daß dem Land im Süden Arabiens gelingen kann, was anderen mißlang. Denn der Sultan und seine Berater haben alles getan, um den Ansporn mit institutioneller Kontrolle zu koppeln. Die Modernisierungsströme werden kanalisiert, damit der Damm nicht bricht.

Die Gefahr religiöser Spannungen, etwa durch ein Überspringen des fundamentalistischen Funkens aus dem Iran wird rasch und überzeugend von der Hand gewiesen. Die Omaner sind gemäßigte Muslims. "Die wenigen Schiiten", wird der Sultan zitiert, "kann man jederzeit auf einem Schiff nach dem Iran verfrachten". Vorsichtshalber ist Sultan Quabus auch noch religiöses Oberhaupt des Landes.