DIE ZEIT

Des Gegenkanzlers letzter Kampf

Abelein, Adam-Schwaetzer, Bangemann, Bauer, Bayha. Becker, Beckmann, Bredehorn, Biehle, Blank, Blens, Blüm... 240 Bundestagsabgeordnete (zehn Berliner Mitglieder nicht zu vergessen) wissen nun ungefähr, was sie politisch wert sind.

Tödlicher Irrtum

Die Nation, die ihr Engagement in der Welt stets mit hohem moralischen Anspruch zu verbrämen sucht, trifft der tödliche Irrtum schwer.

Der Graf im Abseits

Es gehört zu den sonderbaren Zügen des Menschen, daß er den Schaden, den er abzuwenden trachtet, durch eben seine angestrengten Vorkehrungen oft noch mehrt.

Quotiert

Diese Quote ist ein Elend, zu verdanken männlicher Intransigenz. Aber es ist schließlich ein Unrecht, daß Frauen nicht an allen Dingen des öffentlichen Lebens in gleichem Maße teilhaben dürfen wie Männer.

Offenherzig

Der Sommer aus Perestrojka und Glasnost macht auch Schwalben. Seit in Gorbatschows Sowjetunion selbst Unangenehmes beim Namen genannt wird, sprechen auch Mitstreiter des Generalsekretärs erstaunlich offen über Themen, die früher von Tabus umstellt waren.

Zeitspiegel

Auch Perestrojka geht offenbar durch den Magen: Unlängst eröffnete das erste jüdische Restaurant in Moskau – auf genossenschaftlicher Basis.

Von Schuld wird kaum gesprochen

Aber die Amerikaner stellen viele Fragen nach den Ursachen des Flugzeugabschusses

Glasnost war die Heldin im Kreml

In 40 Stunden fegte der Sturm über 70 Jahre hinweg. Er riß Dächer von den klotzigen Herrschaftsgebäuden der Partei, knickte die Betonmasten eines über Jahrzehnte verankerten Informationsmonopols und legte Wurzeln frei, die viel tiefer reichen als Kommunismus und Oktoberrevolution.

Wolfgang Ebert: Die Post ist nicht da!

Das ist jetzt nicht die Stunde, dem bedrängten Kanzler auch noch wegen vier Jahre alter Briefe am Zeug zu flicken. Mit der Post geht es ihm – in dieser Hinsicht ein echter Volkskanzler – wie vielen von uns: Herzliche Urlaubsgrüße stimmen ihn fröhlich.

Prozeß in der Festung

Vor dem Landgericht Frankfurt begann das Strafverfahren gegen den Flugzeugentführer Mohammed Hammadi

Unter schwerem Verdacht

Nach dem Grundgesetz "finden auf Beweiserhebungen" vor parlamentarischen Untersuchungsausschüssen "die Vorschriften über den Strafprozeß sinngemäß Anwendung".

NACHLESE: Ceauşescus Wagenburg

Nicolai Ceauşescu riegelt sein Land immer mehr ab. Der selbstherrlich regierende rumänische Partei- und Staatschef hat zwar die Drohung noch nicht wahr gemacht und die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarn Ungarn abgebrochen, doch er reduziert die Kontakte auf ein Minimum.

BONNER BÜHNE: Am Wege gelagert

Weil’s der Wahrheitsfindung dient, betätigt sich der Chronist heute in seiner Schrumpfform – als Wegelagerer. Zu diesem Zweck eilt er die beflaggte Adenauerallee entlang zum CDU-Hauptquartier.

NACHRUF: Leise und vornehm

Am vergangenen Wochenende ist Johann Baptist Gradl im Alter von 84 Jahren in seiner Geburtsstadt Berlin gestorben. Nach Amtern hat er sich nie gedrängt, man hat ihn berufen: 1965 zum Minister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, ein Jahr später für ein paar Monate zum Minister für Gesamtdeutsche Fragen.

WELTBÜHNE: Gemischtes Doppel

Fräulein Steffi Graf legte die alten Knochen der Navratilova auf dem Wimbledon Centre Court zur Ruhe" – so las sich dieser Tage die News of the world.

Vor der Friedenskonferenz in Jakarta: Kambodscha zwischen Hoffnung und Furcht

Die Stimmung beim Essen in Bangkoks Außenministerium war prächtig. Der Gast aus Hanoi, Außenminister Nguyen Co Thach, machte seinem thailändischen Amtskollegen über die Tafel hinweg Komplimente: "Mein älterer Bruder, während meines Besuches habe ich gesehen, daß Bangkok sich ziemlich verändert hat.

Ladendiebstahl: "Der schnauft ja noch"

Am 19. August 1987, nachmittags gegen 17.15 Uhr, endete in einem Tübinger Hinterhof das Leben des iranischen Asylbewerbers Kiumars Baba Abdollah.

Volkszählung: Größte Show seit Babel

Das Alte Land, zwischen Hamburg und Stade, bietet ein Bild tiefen Friedens und emsiger Geschäftigkeit: In den großen Obstplantagen ist Kirschernte.

Verteidigungslügen

Gründe, sich mit dem deutsch-sowjetischen Krieg auseinanderzusetzen, gibt es zur Zeit jede Menge. Erstens ist da die Reformpolitik Gorbatschows, die altes Feindbilddenken brüchig werden läßt und zu der Frage führt, ob die bisherige Einschätzung der Sowjetunion wirklich der Realität entspricht.

Novelle ohne Not

Zu den Glanzstücken der Bundesregierung wird sie nicht zählen, die fünfte Kartellgesetznovelle, die das Kabinett in der vergangenen Woche beschlossen hat.

Hans ohne Glück

Als Lorenz Schwegler ans Mikrophon trat, war es still im großen Saal des Hamburger Congress Zentrums. Rund 3500 Arbeitnehmer der Volksfürsorge Versicherungsgruppe (Vofü) wollten vom Vorstand der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) erfahren, wie es um den Tarifvertrag zur betrieblichen Mitbestimmung bestellt ist.

Bonner Kulisse

Stegreifreden von Bundeskanzler Helmut Kohl sind doch immer noch die besten, weil sie meist ganz spontan tiefe Einsichten zeigen.

Klaus-Peter Schmid:: Kein Wille und kein Weg

Finanzminister Gerhard Stoltenberg hat offensichtlich nur noch Hiobsbotschaften für die Öffentlichkeit parat. Ein Wachstum des Bundeshaushalts 1989 um fünf Prozent – wo bleibt da die vielgepriesene Sparsamkeit? Ein Defizit, das über den versprochenen dreißig Milliarden Mark liegt – die Sanierung der Staatsfinanzen scheint wenig wichtig zu sein.

Japan: Bonbon für jedermann

Geht es um Steuern, verwandeln sich Japans meist obrigkeitshörige Bürger in einfallsreiche und feurige Rebellen, die den habgierigen Fiskus mit Vergnügen in die Schranken weisen.

Gewinn für Arbeitnehmer

Eine Stimulierung des Wachstums und der Investitionen mag die Nachfrage nach Arbeit steigern, aber wir wissen vom Energiemarkt nur zu gut, daß ökonomische Anreize das Wachstum des Sozialprodukts und die Nachfrage nach Produktionsfaktoren entkoppeln.

Markt-Report: Die Chemie rückt vor

Die deutschen Aktien haben die zinserhöhenden Beschlüsse des Zentralbankrates bisher ohne Schaden überstanden. Ihre Aufwärtsbewegung setzte sich unter Schwankungen fort.

Zeit und Geld: Schutz gegen Anlagehaie

Ove Franz sollte recht behalten. Der Hamburger Bankier und CDU-Politiker sagte Anfang Juni: „Wenn der Gesetzgeber erkennt, was hier läuft, wird er schnell handeln.

Bank und Börse: Jedem das Seine

Die Deutsche Mark war bis vor wenigen Monaten noch stabil wie eh und je, andere Währungen verloren ihr gegenüber an Wert. Wer dem hiesigen Markt für festverzinsliche Wertpapiere den Rücken zukehrte und sich Auslandsanleihen zulegte, machte oft genug ein denkbar schlechtes Geschäft.

ZEITRAFFER

Niedrige Ölpreise lassen die deutschen Rohöleinfuhren steigen. Von Januar bis Mai dieses Jahres importierte die Bundesrepublik 23,3 Millionen Tonnen Rohöl.

MANAGER UND MÄRKTE

Im großen Saal des Frankfurter DGB-Hauses ging es am Dienstag dieser Woche turbulent zu. Dort diskutierte die Belegschaft der IG Metall über die drohende Einführung von elektronischen Stechuhren für die rund sechshundert Mitarbeiter.

Wir sollten helfen

Müller: Nach unseren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Parteien der UdSSR, der ČSSR und der DDR konnten wir feststellen, daß in den Ländern enorme Lernprozesse stattgefunden haben.

Zeitmosaik

Die in der gesamten organischen Welt von Seiten des männlichen Geschlechtes behauptete Superiorität der sexuellen Form ist bei dem Mann in doppelter Beziehung: 1.

Schallplatten

Die Begräbnisreden und Nachrufe anläßlich der letzten Platten und Tourneen waren wohl doch etwas verfrüht. Hier gibt Dylan Lebenszeichen, singt wieder – so hinreißend wie vor vielen Jahren in „Every Grain of Sand“, „I Believe in You“ und „Romance in Durango“.

Kunstkalender

Das Thema ist riesig. So sind denn auch seit den ersten Ideen zu einer Ausstellung acht Jahre vergangen. Acht Jahre, in denen der Mythos allgemein, der Mythos individuell und von allen Seiten abgeklopft und verhört wurde.

Filme

Düster schimmern die Bilder, dunkle Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Ein Monster geht um. Es sieht aus wie ein Angestellter, aber in seiner Seele wohnt eine obskure Obsession: Der Mann hat eine unbändige Mordlust.

In Kürze

Jeder kennt sie, die herzstockenden Momente, in denen die niemals heilende Abschiedswunde wieder aufreißt: die schnörkelig-korrekten Schriftzüge des toten Vaters, nach Jahren zufällig auf einem Briefumschlag zwischen alten Papieren wiedergefunden, die Stimme des toten Freundes auf einem ungelöscht gebliebenen Tonband – Augenblicke, in denen der wiedererweckte Trennungsschmerz das alltägliche Vergessen aufbricht.

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