Der Aktienstart in die zweite Jahreshälfte 1988 hat gezeigt, daß die Kurse „nach oben wollen“, wie sich die Börsianer ausdrücken. Daß dies nicht ohne Hindernisse vor sich geht, liegt angesichts der Dollar- und Zinsprobleme auf der Hand. Noch bedeuten steigende Zinsen keine Gefahr für die Aktien. Solange die Unternehmensgewinne steigen – und das gilt für 1988 als sicher –, wird der Aktienmarkt weitgehend zinsunempfindlich bleiben.

Wenn Anfang Juli neue Jahreshöchstkurse erreicht worden sind, ist es nicht einem gewachsenen Anlagemut inländischer Marktteilnehmer zu verdanken. Ausschlaggebend waren Ausländer, die sich wie früher einige deutsche blue chips zugelegt haben. Deutsche Banken begründen die wiederaufgenommenen Kaufaktivitäten der Ausländer mit dem im internationalen Vergleich niedrigen Bewertungsniveau deutscher Aktien und mit der Tatsache, daß der gestiegene Dollar wieder Chancen auf Währungsgewinne eröffnet.

Psychologisch wichtig war der Siemens-Zwischenbericht für die Börsianer. Er bestätigt deutlich, wie rasch sich die Lage eines Unternehmens zum Besseren wenden kann. Daimler überschritt in dieser Woche zeitweise den bisherigen Jahreshöchststand. Auch hier haben Ausländer gekauft. Sie sehen – wie sich schon seit einiger Zeit zeigt – die umfangreichen Konzernpläne der Stuttgarter sehr viel positiver als inländische Anleger.

K. W.