Zwei Jahre und gut 20 Millionen Dollar haben einen amerikanischen Traum wiedererstehen lassen. 45 Sekunden im geräuschlosen Expreßaufzug führen in die Welt der dreißiger Jahre. Der „Rainbow Room“ in New Yorks Rockefeller Center liegt 65 Etagen über dem Boden heutiger Alltagswirklichkeit.

Vor zwei Jahren entschloß sich die Rockefeller Group, den Raum wieder in den Originalzustand zu versetzen. Alte Photos und Bücher wurden angeschaut, man nahm mit den Firmen, die damals dabei waren, Kontakt auf. Nun sind die Lichter wieder an und „the show goes on“. Die Tanzfläche dreht sich, auberginefarbene Seide schimmert an den Wänden und kontrastiert zu grünen Lederpolstern. Nur die Skyline vor den zwei Etagen hohen Fenstern hat sich geändert. Doch abgesehen davon würde sich die Prominenz von damals wieder zurechtfinden – Filmstars wie Gloria Swanson, Jean Harlow oder Joan Crawford, Cole Porter, Elsa Maxwell, die berühmte Klatschkolumnistin. Auch eine Big Band ist wieder da und spielt, wie damals, ohne Verstärker.

Das Szenario ist nicht zufällig, sondern folgt den Regieanweisungen von Joseph Baum, der das schöne Gehäuse gastronomisch in Szene setzt. „Unumwunden theatralisch“ will er es haben.

Allerdings nur am Abend. Tagsüber muß er für die Topmanager, die dem „Rockefeller Center Club“ angehören, ein anderes Programm bieten. Ihnen ist der „Rainbow Room“ mit den dazugehörigen Restaurants und Konferenzsuiten bis drei Uhr nachmittags vorbehalten. Für sie flimmern Börsenkurse und Weltnachrichten über die Videowand in der eleganten Eingangslobby, arbeiten die Sekretärinnen, werden Telefaxe in alle Welt geschickt, sind die Computer aktiv. Die bestimmen, wenn man will, sogar das Menü. Manager, die Diät halten, können ihre Daten eingeben und bekommen, fein säuberlich ausgedruckt, eine Liste mit den Gerichten des Tages, die ihnen erlaubt sind.

Das Eintrittsgeld in den exklusiven Club richtet sich nach der Entfernung. Wer in New York wohnt und den Club naturgemäß häufig nutzt, zahlt 1000 Dollar Aufnahme- und 1500 Dollar Jahresgebühr; wer beispielsweise aus Texas oder Kalifornien kommt, ist mit 200 beziehungsweise 350 Dollar dabei, und für Topmanager aus dem Ausland wird es mit 200 sowie 300 Dollar sogar noch etwas billiger. Sie erhalten dafür nicht nur den professionellen Service zwischen Frühstück und Nachmittag, sondern genießen Vorzugsbehandlung am Abend, wenn die eine Million Dollar teuren Kunstwerke mit dem faszinierenden Lichterspiel Manhattans vor den Fenstern konkurrieren.

Die Show hat ihre Preise. Während sich die Clubmitglieder zum Lunch für 22 Dollar am Buffet bedienen können, zahlt man vor dem Theater 38,50 Dollar für ein Menü oder für einen kleinen Snack in der Promenade zwischen 6,50 und zwölf Dollar. Danach kommt – mit der Musik – ein Extra von acht Dollar pro Person an Wochentagen und zwölf Dollar an Wochenenden bei Hauptgerichten zwischen 18 und 42 Dollar dazu. Wem es vor allem um die Aussicht und das Ambiente geht, kommt rechtzeitig vor der Musik oder auch am Nachmittag zu Kaffee oder einem Glas Champagner. Wer viel Geld hat, kann sich den Rainbow Room auch für die eigene Party mieten. Von 45 000 Dollar aufwärts kostet die Bühne menschlicher Eitelkeiten für eine effektvolle Selbstinszenierung. rbb