Jede Stadt hat ihre eigenen Sensationen, und welche das gerade sind, erfährt man oft am besten außerhalb der Stadtmauern.

Sie kommen aus Hamburg? Da gibt es doch die Hafenstraße?! In der Tat. Aber das ist nicht alles. Wir haben auch gerade einen neuen Bürgermeister bekommen, der vor der Ablegung seines Amtseides erst einmal die Altersversorgung für den Rücktrittsfall geregelt wissen wollte. Und bald werden wir auch einen ganz neuen Ehrentitel reklamieren können: die Metropole, in der die Kunst erfolgreich verhindert wird.

Ob Berlin oder Stuttgart oder Sindelfingen, ob Museum Ludwig oder Gropius-Bau: überall im Lande hat man in den letzten Jahren neue Häuser für die Kunst gebaut oder alte für sie entdeckt. Auch in Hamburg, in Sachen Bauwesen nur durch die Leistungen der „Neuen Heimat“ ins Gespräch gekommen, sollte nun endlich etwas passieren. Ein Wettbewerb für ein Haus, das auf der sogenannten Museumsinsel mehr Lebensraum schaffen sollte für die dort ansässigen Kunstinstitute, wurde 1986 von dem Architekten Oswald Mathias Ungers gewonnen. Außerdem, ein ungeplantes Wunder, spendete der Mäzen Kurt A. Körber in diesem Jahr 15 Millionen Mark zur Herrichtung der alten Blumenmarkthallen für Kunstausstellungszwecke.

So weit, so gut. Aber nun fängt das Spiel „Schiffeversenken“ an. Der Kunsthallenchef ist gegen die alten Hallen, der Kunstvereinschef gegen den neuen Bau, die lokalen Kleinkünstler sind gegen alles.

So weit, so normal. Aber nun entdecken, nach zweijährigem Nachdenken, auf einmal das lokale III. Fernsehprogramm des NDR und die lokale Morgenpost die Monstrosität des Ungers-Baus und möchten mit rasch inszenierten Diskussionen erst einmal wieder zum Punkt Null zurückkehren. Der Wettbewerb soll neu ausgeschrieben werden, und auch Herrn Körber möchte man vorschreiben, wie und wo er sein Geld verteilen soll.

So weit, so lokalpossig. Aber wer wird als Kronzeuge gegen Ungers herbeigekarrt? Der Kölner Architekt Busmann, Erbauer des Wallraf-Richartz- und Ludwig-Museums. „Ein ganz schlechtes Gehäuse für die Kunst“, nennt er den Bau des Kölner Kollegen Ungers und „eine Wendearchitektur“. Das rechte Wort zum rechten Zeitpunkt aus berufenem Mund. Das war’s doch! Und hoffentlich war es auch das Letzte, was sich die Verhinderer der Kunst e.V. Hamburg einfallen ließen. Finis