Die Bedrohung ist unverkennbar. Kohlendioxyd (CO 2 ), das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle und Benzin anfällt, sammelt sich rasch in der Atmosphäre an. Hinzu kommen industriell produzierte Gase wie beispielsweise die Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), die zwar in geringerer Menge auftreten, deren Auswirkung jedoch gleichermaßen katastrophal ist-Während CO 2 etwa zur Hälfte für den „Treibhaus-Effekt“ verantwortlich ist, wird der Anteil des natürlichen Gases Methan, das beim Reisanbau und beim Abfackeln von Erdgas an den Förderstellen frei wird, auf 20 Prozent geschätzt. Mit 15 Prozent beteiligt ist vor allem das Treibgas aus Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoff (FCKW) und schließlich mit zehn Prozent das aus Düngemitteln und von Mikroben stammende Lachgas.

Nur ein geringfügiger Anteil geht auf natürliche Verursacher wie etwa Bodenmikroben zurück. In der Erdatmosphäre wirken diese Gase wie die Scheiben eines Treibhauses: Sie lassen das Sonnenlicht einfallen, verhindern aber gleichzeitig ein Entweichen der von der Erdoberfläche zurückgestrahlten Wärme. Indem sie Infrarotstrahlung stärker aufnehmen als reflektieren, ziehen sie jene stetige Erwärmung der Erde nach sich, die zum Treibhaus-Effekt führt.

„Ich glaube, es gibt keine Möglichkeit, diese Entwicklung aufzuhalten“, erklärt Walter Roberts, der frühere Präsident des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Roberts gehört zu den Organisatoren einer für die Dauer eines Jahres geplanten amerikanisch-sowjetischen Konferenz, die im Mai begann und deren Thema die globale Erwärmung ist. „Vielleicht wird es etwas weniger werden oder etwas mehr“, sagt Roberts, „aber der Treibhaus-Effekt ist unausweichlich.“ Er geht davon aus, daß die weltweite Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen so groß ist, daß keine ernsthaften internationalen Bemühungen zur Minderung der Kohlendioxyd-Emissionen zustande kommen.

Bisher ist man nicht in der Lage, die für die Temperaturschwankungen verantwortlichen Größen zu berechnen. Darum läßt sich weder mit absoluter Sicherheit sagen, daß der Treibhaus-Effekt genauso wie vorausgesagt eintreten, noch, daß er tatsächlich alle erwarteten negativen Auswirkungen haben wird. Bereits heute sind mildernde Faktoren wirksam, weitere könnten bei zunehmender Erwärmung auftauchen.

Dennoch verheißen die Anzeichen Schlimmes. Ausgehend von der weltweiten Durchschnittstemperatur hatte das vergangene Jahr – dem vorläufigen Höhepunkt einer Fieberkurve vergleichbar – die höchste Temperatur seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen. Unsere achtziger Jahre sind das wärmste Jahrzehnt seit mehr als hundert Jahren. Ein Anstieg der Temperaturen auf der Erde von mindestens ein oder zwei Grad Celsius bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts scheint unausweichlich, da dann die Konzentration von Kohlendioxid (CO 2 ) in der Atmosphäre wahrscheinlich um 60 Prozent größer sein wird als heute und doppelt so hoch wie vor der industriellen Revolution. Sogar ein Anstieg von mehr als vier Grad ist möglich.

Bereits die Erwärmung um etwas über ein Grad hätte dramatische Folgen. Da diese Erhöhung nur ein Mittelwert ist, könnte in bestimmten Gegenden und zu bestimmten Jahreszeiten der Temperaturanstieg noch wesentlich höher liegen. Eines der vom NCAR erstellten Computermodelle sagt zum Beispiel eine heiße Zone in der Nähe des Beringmeeres voraus, in der es im Winter fast um 17 Grad wärmer sein könnte als heute.

Die Zivilisation hat sich in einer schmalen Bandbreite von Durchschnittstemperaturen entwickelt, die noch niemals um mehr als etwa ein Grad höher oder niedriger lagen als die heutigen. Eine Erwärmung von über vier Grad während der nächsten 60 Jahre käme dem gesamten Temperaturanstieg seit dem Beginn des Rückzugs der Eiszeitgletscher vor 18 000 Jahren gleich.