Lauter letzte Auftritte letzte Woche in der letzten Sitzung des Bundesrates vor der Sommerpause, bei der letztendlichen Entscheidung über die Steuerreform. Noch einmal das Gewimmel der blauen und grauen Anzüge mit den blaßblauen Hemden, für den Fernseh-Fall. Nur bei den Damen ein paar Farbtupfen, am elegantesten, wie immer, die Bremer Bundessenatorin Vera Rüdiger.

Noch einmal der Austausch grundsätzlicher Argumente für und wider die Reform. Gedämpft und vornehm, sozusagen mit weißen Handschuhen, ist die Atmosphäre in der Ländervertretung ja immer. Aber diesmal sind die Deklamationen auch müde, wie bei einem Stück, das zu lange en suite gespielt worden ist. Oskar Lafontaine stichelt noch ein bißchen, Lothar Späth schwäbelt eifrig dagegen. Ernst Albrecht, der halbwegs siegreiche Rächer der Enterbten, verleiht seinem unentwegten Lächeln einen gemessenen Zug. Und Gerhard Stoltenberg blickt einfach in sich hinein.

Nein, sie waren alle ebenso ausgelaugt wie erleichtert bei diesem allerletzten Akt. Nun kann auch die Regierung allmählich ihre Urlaubskoffer packen. Sich endlich aus den Augen zu kommen: Was für ein Glück.

*

Darf man es also wagen, trotz einiger Nachhutgefechte, sich richtigen Ferienthemen zuzuwenden? Zum Beispiel der Frage, was in Bonn demnächst in der Luft liegen wird? Das heißt, das ist gar keine Frage mehr, denn zu ihrem zweitausendjährigen Bestehen wird sich die Stadt im kommenden Jahr in ein „Eau de Bonn“, ein Parfüm zum Jubiläum, hüllen. Zu diesem Zweck wurde jede Nase gezählt, als die Bürgerinnen und Bürger in den Zweigstellen der städtischen Sparkasse zwischen vier verschiedenen Kreationen wählen konnten, die in einem Wettbewerb von vier verschiedenen weiblichen Teams komponiert worden waren.

Die Nasen vorn, im Wind, hatten, natürlich, Journalistinnen mit ihrem Ruch, der als „elegant-frisch mit warmer Moschus-Note“ beschrieben wird. Und die Nasen ganz hinten hatten – ein Wunder? – die Politikerinnen mit ihrem Angebot für den Jubiläumsduft. Dank aber an alle konkurrierenden Damen, daß sie in dieses säuerliche Beamtenbonn nun eine sinnliche, ja geradezu erotische Note bringen. Moschus, ha!

*