Chlor aus Chlorkohlenwasserstoff-Treibgasen zerstört die Ozonschicht. Die meisten Leute sind fest davon überzeugt; doch bislang ist es lediglich eine Vermutung, die noch eines Beweises bedarf. Nach der Entdeckung des antarktischen „Ozonlochs“, stellt sich vor allem die Frage, warum Chlor gerade in den hohen polaren Luftschichten so besonders zerstörerisch sei? Die Antwort darauf könnte, wie US-Wissenschaftler jetzt meinen, im unterschiedlichen Verhalten von Salpetersäure bei verschiedenen Klimabedingungen liegen. In den unteren Atmosphäreschichten wird Chlor gewöhnlich von Salpetersäure, die überall in geringen Konzentrationen vorhanden ist, rasch neutralisiert. Versuche in künstlichem Klima zeigten jetzt, daß sich die Salpetersäure der Luft unter antarktischen Bedingungen mit Wasser zu winzigen, schwebenden Eiswolkenpartikelchen verbindet und deshalb nicht mehr mit dem Chlor reagiert. me

Spielt die hauchdünne Oberflächenschicht von Gewässern eine Schlüsselrolle bei der Wirkung von Verschmutzungen? Die oberste, nur ein Mikrometer dicke Wasserschicht ruhiger Seen und Meeresbuchten ist eine Lebensgemeinschaft für sich – das ist schon lange bekannt. An der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft sammeln sich die fettlöslichen Ausscheidungsstoffe des Planktons, zudem lebt dort ein besonderes Plankton, das Neuston, oft festgehalten von der Oberflächenspannung. Wissenschaftler fanden jetzt, daß sich auch manche Schadstoffe in der Oberflächenschicht stark anreichern. Im Vergleich zum Restwasser fand eine von John Hardy an der Universität von Oregon geleitete Arbeitsgruppe Kupfer, Zink und Kadmium zehn- bis hundertfach konzentriert, Pestizide und andere fettlösliche organische Chemikalien gar in millionenfacher Konzentration. Da wichtige Fisch- und Schalentierarten Lebewesen dieser Schicht fressen, die Eier vieler Tiere auch an der Oberfläche floaten, könnte die besondere Verschmutzungsintensität die Lebensgemeinschaft des Meeres gravierend schädigen, befürchtet Dr. Hardy. Seine Untersuchungen zeigen, daß die Entwicklung vieler Eier und Larven durch Oberflächenwasser tatsächlich erheblich gestört wird. Trotzdem glaubt ein Großteil der Wissenschaftler nicht, daß solche Schäden insgesamt gesehen wesentlich seien. Sie argumentieren, daß die Oberflächenschicht im offenen Meer und auf Seen ständig vom Wind aufgewühlt wird, so daß die Schadstoffe sich erheblich verdünnen. Immerhin wäre in Seen und Meeresbuchten, wo das Wasser unbewegt ist, ein so gravierender Einfluß der Oberflächenverschmutzung auf die Lebensgemeinschaft des Wassers denkbar. F.M.

Gaumengenüsse wie Fliegensalat oder Heuschreckenpizza könnten demnächst unseren Speiseplan bereichern, wenn es nach dem US-amerikanisch-mexikanischen Forscherduo Gene De-Foliart und Julieta Ramos-Elorduy geht. Die beiden Forscher betonen, daß weltweit etwa 500 Insektenarten gegessen werden – nicht nur als letzte Notlösung in armen Ländern, sondern teilweise sogar als Delikatesse. „Viele Insekten sind als Nahrungsmittel so wertvoll wie normales Fleisch“, betont De Foliart, „reich an Proteinen, Mineralien und Vitaminen.“ Wer seine Vorurteile überwindet, kann vom Geschmack mancher Gliedertiere durchaus positiv überrascht werden. Wespenlarven sollen nach Mandeln, Wanzeneier ähnlich wie Shrimps und viele Insekten nußartig schmecken. Bei einer Heuschreckenplage in Thailand sprach sich der vorher kaum bekannte Wohngeschmack der Viecher herum – binnen kurzem brutzelten sie landauf landab in den Pfannen der geplagten Dörfler und wurden sogar in andere Provinzen exportiert. Welche Schadinsekten wir Mitteleuropäer einfach als Knuspersnack verputzen könnten ist leider noch nicht genügend untersucht. F.M.

Daß die einschlägige Industrie die längst erfundenen unzerreißbaren Damenstrümpfe vom Markt fernhalte, weil sie anderenfalls nur noch ein Bruchteil ihrer Produktion an die Frau bringen könnte, glauben viele Leute nun schon ein halbes Jahrhundert lang – es ist nicht wahr. Kein Gerücht aber ist die Tatsache, daß uns ein internationaler Zusammenschluß der Unterhaltungsindustrie, die International Federation of Phonogram and Videogram Producers (IFPI), seit Jahren nicht in den Genuß des lange schon technisch ausgereiften digitalen Kassettenrecorders kommen läßt. Denn die japanischen, US-amerikanischen und europäischen – hier Grundig und Philips – Elektronikfirmen fürchten nämlich um den Absatz ihrer wohltönenden, zugleich aber teuren CD-Platten und der Geräte, die sie abspielen können.

Mit einem Digital-Kassettenrecorder (Kürzel: DAT für digital audio tape) nämlich lassen sich daheim Kopien der schillernden CD-Scheiben herstellen, die sich im Klang vom Original nicht unterscheiden, jedoch erheblich billiger sind als die Platten. Vor allem der weit verbreitete kommerzielle CD-Verleih würde solchen Raubkopierern zu preiswerten digital-Phonotheken verhelfen, und die Schallplattenverkäufer hätten das Nachsehen.

Darum bemühen sich die Forschungslabors der IFPI-Firmen um einen wirksamen Kopierschutz. Eine Methode, die Vervielfältigung des Tonträgers zu verhindern war „Copycode“, ein – in der ZEIT Nr.18/88 ausführlich beschriebenes – Verfahren, das voraussetzt, daß auf den CD-Platten ein schmales Tonfrequenzband ausgespart wird. Eine besondere Schaltung im DAT-Recorder sollte dann dafür sorgen, daß sich das Gerät bei Musik, in der diese Frequenz verdächtig lange fehlt, von selbst ausschaltet. Leute mit feinen Ohren aber schalteten ebenfalls ab, als ihnen die so manipulierten CD-Platten vorgeführt wurden.

Beim IFPI-Treffen in diesen Tagen steht jetzt ein neues Antikopierverfahren zur Diskussion: Solocopy. Bei dieser von Philips entwickelten Technik produziert der DAT-Recorder bei einer Klangaufnahme ein unhörbares, digitales Signal auf dem Tonband. Von diesem aber lassen sich keine weiteren Kopien mehr ziehen. Denn das Gerät ist so konstruiert, daß es auf Tonangebote mit jenem stummen Digitalsignal mit sofortigem Abschalten reagiert. Eine CD-Kopie also soll erlaubt sein, aber eben nur eine einzige.

Pfiffige Elektronikbastler sinnen schon darüber, ein Gerät zu erfinden, das die behindernden Kopierschutzsignale herausfiltert. -ow