DIE ZEIT

Prinzen-Poker

Die Pfade des Norodom Sihanouk sind oft gewunden. Doch haben sie meist zum Ziel geführt. So „unwiderruflich“, wie er jetzt behauptet, wird sein französisches „Exil“ denn auch nicht sein.

Macht statt Markt

Großunternehmen, so hieß es noch vor ein paar Jahren, sind schwerfällige Elefanten, zu langsam, um in der Krise zu reagieren und sich Veränderungen anzupassen.

Wege aus dem Reich des Bösen

Passen die alten Begriffe noch? Die demokratischen Eruptionen auf der Moskauer Parteikonferenz und die zahlreichen außenpolitischen Initiativen des Kreml zwingen zu der Frage, ob die traditionellen Kategorien dem kommunistischen System von heute noch gerecht werden.

Ruhe sanft

Die Raketen verschwinden, die Prozesse gegen die Blockierer gehen weiter. Und nirgendwo findet sich eine Gesetzgebungsmehrheit, diese Absonderlichkeit aufzuhalten.

Knausern beim Bund?

Schon zu Beginn der politischen Sommerpause in Bonn läßt sich ein kalter und stürmischer Herbst für die konservativ-liberale Koalition vorhersagen.

Zeitspiegel

Letzte Woche gab es geräucherte Gänsebrust mit Radicchio-Salat und Weizensprossen, darauf gefülltes Schollenfilet mit Lachsschaum samt Chablis-Sauce und wildem Reis und zum Abschluß gefüllten Roggenpfannkuchen mit frischen Früchten.

Umwelt und Politik: Streit um die Prioritäten

Von Günter Gaus stammt der Satz, daß die Elbe Deutschlands Strom sei und nicht Deutschlands Grenze. Zuletzt hatten allerdings hier wie dort die Formelkrämer Oberwasser, die, über leicht vergilbte Flußkarten gebeugt, penibel festschreiben wollten, bis zu welchem Buhnenkopf die Bundesrepublik geht und wo die DDR beginnt.

Wolfgang Ebert: Glasnost? Glasnix!

Eine gute Woche benötigte der CGG (Club der Gorbatschow-Geschädigten), um sich von dem Schock des Erfolges ihres Erzfeindes auf der Moskauer Parteikonferenz zu erholen.

Meese-Rücktritt: Der letzte Freund

Sleaze, sleaze, intonierte die Truppe der "Mrs. Foggybottom" in Washingtons politischem Kabarett, und sleaze, das geradezu lautmalerische, aber schwer zu übersetzende Wort für schmieriges, unsauberes Verhalten im öffentlichen Dienst, reimt sich natürlich auf Meese.

Ohne Bitterkeit

Wenn man Elsbeth Weichmanns Buch „Zuflucht – Jahre des Exils“ liest, schnürt es einem die Kehle zu. Mein Gott, was haben wir, die Deutschen, in jener Zeit den Menschen angetan, Menschen wie Elsbeth Weichmann und ihrem Mann: Sie vertrieben, gejagt, der Würde beraubt.

Wahlen in Mexiko: Votum gegen die versteinerten Verhältnisse

Mehr Demokratie hatte die Regierung versprochen, freie und faire Wahlen. Doch die Mexikaner wußten es schon vorher besser: „Das sagen sie immer vor Wahlen“, wiederholten sie stereotyp, mal resignativ, mal zornig, „doch nie hielten sie ihre Versprechen,“ Der 6.

BONNER BÜHNE: »Eau de Bonn«

Lauter letzte Auftritte letzte Woche in der letzten Sitzung des Bundesrates vor der Sommerpause, bei der letztendlichen Entscheidung über die Steuerreform.

NACHLESE: Mit kühlem Kopf

Geschickt hat der Iran bisher auf die Tragödie über dem Persischen Golf reagiert. Zwar riefen auch die Pragmatiker in Teheran nach Vergeltung an den Amerikanern, um den Tod der 290 Airbus-Opfer zu rächen, doch blieben diese Rufe eher allgemein und unbestimmt.

WELTBÜHNE: Berg- und Talfahrt

Geschwächt: Michel Rocard – der Liebling der Franzosen, solange ihm Staatspräsident François Mitterand kein Amt gab – hat kein starkes Debüt als Premierminister.

Die Erde hat Fieber

Die Bedrohung ist unverkennbar. Kohlendioxyd (CO 2 ), das bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Kohle und Benzin anfällt, sammelt sich rasch in der Atmosphäre an.

Umweltkonferenz in Toronto: Wie das Fieber senken?

Es ist zwingend geboten, unverzüglich zu handeln.“ – Lakonisch die Form, der Inhalt von kaum zu ermessender Dramatik: In diesem Satz münden alle anderen aus dem 30-seitigen Schlußprotokoll der Weltklimakonferenz, die vorletzte Woche in Toronto stattfand.

Religionsfreiheit: Dummes Geschwätz

Wenn seine Mitschüler morgens vor dem Unterricht ihre Hände falten und das vom Direktor verordnete Schulgebet herunterrattern, dann steht er mit verschränkten Armen hinter seinem Stuhl und bleibt stumm: Oliver Obermeier (Name von der Redaktion geändert) ist Agnostiker und handelt danach.

Not-Kriminalität-Vertreibung-Not: Fataler Kreislauf

Die Bußfertigkeit hatte Gründe. In einem Brief an Kölns Oberbürgermeister hatte sich der Konzern-Manager zuvor über ein offiziell nicht genehmigtes Roma-Lager in unmittelbarer Nähe seines in Köln ansässigen Unternehmens beschwert.

Engstirnige Magnifizenz

Sie starb vor 50 Jahren unter dem Fallbeil, doch für den Rektor der Universität Stuttgart, Professor Franz Effenberger, ist sie ein höchst lebendiges „delikates Problem“: Lilo Herrmann, die erste Frau, die von den Nationalsozialisten 1938 aus politischen Gründen hingerichtet wurde.

Täglich milliardenmal der „Deutsche Gruß“: Sprache unter Hitler

Als Hannah Arendt fünf Jahre nach Kriegsende ihre Eindrücke aus Gesprächen mit Deutschen zusammenfaßte, kam sie zu dem Ergebnis, daß diese Deutschen jeder spontanen sprachlichen und intellektuellen Reaktion beraubt waren, ohne offizielle Richtschnur „gewissermaßen sprachlos und unfähig, irgendwelche Überlegungen zu artikulieren oder ihre Gefühle angemessen zum Ausdruck zu bringen.

Hans Otto Eglau:: Angst vor einem Gespenst

Der Vorstand der Feldmühle Nobel AG (Feno) kann endlich aufatmen. Keiner der hochdotierten Topmanager des aus dem einstigen Flick-Imperium hervorgegangenen Düsseldorfer Mischkonzerns muß befürchten, von einem unerwünschten neuen Eigentümer vor die Tür gesetzt zu werden.

Bonner Kulisse

Das Steuerreformgesetz 1990 ist verabschiedet – und es war höchste Zeit. Niemand fand mehr Argumente, die Diskussion drehte sich längst im Kreise.

Gewerkschaften: Denkzettel für Aufmüpfige

Seine Arbeitskollegen im Mannheimer Pharma-Betrieb Boehringer kennen Edmund Depta als Vollblutgewerkschafter. Seit er 1970 Mitglied in der IG Chemie wurde, hat er sich in wechselnden Funktionen für seine Kollegen eingesetzt.

Ausländer kaufen

Der Aktienstart in die zweite Jahreshälfte 1988 hat gezeigt, daß die Kurse „nach oben wollen“, wie sich die Börsianer ausdrücken.

MANAGER UND MÄRKTE

Bevor Daimler-Benz eine Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) erwerben wird, muß noch viel Geld aus der Bonner Kasse des sich noch sträubenden Finanzministers Gerhard Stoltenberg fließen – wie die beiden Unternehmen hoffen, notfalls auf höchste Weisung von Bundeskanzler Helmut Kohl.

ZEITRAFFER

Im kommenden Jahr sollen die Subventionen für den Kohlebergbau in der Bundesrepublik um siebzehn Prozent auf 3,44 Milliarden Mark steigen.

Bitter beklagt

Weng: Der Teil des Zuwachses, der auf den Zuschuß an die Bundesanstalt für Arbeit zurückgeht, ist politisch akzeptabel. Bei der darüber hinausgehenden Ausweitung der Ausgaben werden wir uns um Kürzungen bemühen.

Allein gegen alle

Mit der Ablehnung einer Gebührenerhöhung gefährdet Baden-Württemberg die ARD

Im Bann der Giganten

Immer häufiger wird inzwischen von einer „Renaissance der mittelständischen Wirtschaft“ gesprochen und ein „neues Mittelstandsbewußtsein“ registriert.

Ehrenbergs Pferdefuß

Die Bundesregierung streicht jedes Jahr die Gewinne ihrer Bank ein, der Deutschen Bundesbank. Und diese Bundesbank hält 95 Millionen Unzen Feingold, die sie mit rund 144 Mark je Unze bilanziert.

CDU gegen ARD: Zerstören!

Wie man wirklich kaputt macht, was einen kaputt macht, und wie man den langen Marsch durch die Institutionen gewinnt, das kann man immer noch am besten von der CDU lernen.

AMOK

Freundliche Nachbarn, treusorgende Familienväter, harmlose Eigenbrötler, Handwerker, Arbeiter, Erwerbslose ebenso wie Beamte beschließen eines Tages aus nichtigem Anlaß, daß sie heute nicht mehr da weitermachen werden, wo sie gestern aufgehört haben.

Straßen in Flammen

Ein College wie aus dem Bilderbuch: Internatsgebäude im gotischen Stil, gepflegter Rasen, Zöglinge beim Kirchgang. Die Uhren auf dem Campus zeigen an, wie die Stunden vergehen.

Kunstkalender

Paul Klees Bemerkung, Kunst gebe nicht Sichtbares wieder, sondern mache sichtbar, gilt auch für die Photographie: Robert Häussers Aufnahmen sind der unwiderlegbare Beweis.

Zeitmosaik

Am Anfang stand ein Befreiungsschlag: Drei DKP-Mitglieder gründeten eine „Zeitschrift für Politik-Kunst-Wissenschaft“ – und wurden exkommuniziert.

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