Es ist zwingend geboten, unverzüglich zu handeln." – Lakonisch die Form, der Inhalt von kaum zu ermessender Dramatik: In diesem Satz münden alle anderen aus dem 30-seitigen Schlußprotokoll der Weltklimakonferenz, die vorletzte Woche in Toronto stattfand.

Mehr als 300 Wissenschaftler und Politiker aus 48 Staaten suchten nach Ideen und Konzepten, um den weltweit drohenden "Treibhaus-Effekt" zu mildern. Denn darüber waren sich die zuständigen Forscher schon vor Toronto einig. Die vornehmlich durch Schadstoff-Emissionen verursachte Erwärmung der Erde wird so furchtbare Folgen zeitigen, daß der Vergleich mit dem atomaren Untergang naheliegt. Doch zwingendernoch als die Drohung eines Atomkriegs wirft die Klimakatastrophe ihre Schatten voraus: Ein Krieg läßt sich durch Nichtstun vermeiden; die Klimakatastrophe jedoch kann nur abgewendet werden, wenn sofort und tatkräftig gegen alle Widerstände gehandelt wird.

So erörterten die Wissenschaftler in Toronto vor allem die praktische und zugleich politische Frage: Wie kann der Treibhaus-Effekt gemindert werden – und von wem? Der Konsens zerbrach in Toronto oft schon knapp nach der Feststellung der Ziele. Die Erschöpfung der Teilnehmer an der Plenarsitzung des letzten Tages machte der Erörterung des Schlußprotokolls bereits auf Seite neun ein Ende.

Dennoch ist die Tatsache dieser Konferenz von erheblicher Bedeutung: Erstmals wurde über alle Egoismen hinweg "die Notwendigkeit sofortiger politischer Entscheidungen" unisono festgestellt – und auch, daß die Industrienationen als Hauptverursacher nun die Hauptlasten zu tragen, also Energie zu sparen haben.

Vier Fünftel der über 20 000 Millionen Tonnen Kohlendioxyd etwa, die jährlich weltweit produziert und in die Atmosphäre entlassen werden, stammen aus den industrialisierten Regionen. Auch nach einer globalen Klimaveränderung würde die kleine Gruppe der wohlhabenden Länder die ökologischen Kosten ihres Lebensstandards auf die milliardenfache Mehrzahl der Armen dieser Welt abwälzen. Daraus leitet das "Conference Statement" von Toronto plausibel die Verpflichtung der Industrienationen zu eigenen Opfern ab: Die Bekämpfung elementarer Lebensnot in den hungernden Ländern mache dort die Steigerung des Energieverbrauchs unvermeidlich; die damit verbundene Umweltbelastung müsse durch entsprechendes Energiesparen in den Industrieländern ausgeglichen werden.

Viele der Entwicklungsländer – etwa Brasilien und Indochina – müßten andererseits den hemmungslosen Kahlschlag ihrer tropischen Regenwälder beenden, die am wirksamsten die Überproduktion an Kohlendioxyd abbauen können. Doch dieser Verzicht setzt die wirtschaftliche Hilfe der Industrieländer voraus – nicht aus Gründen der Großzügigkeit, nicht einmal nur der fundamentalen Menschlichkeit, sondern vor allem wegen des Interesses an der Selbsterhaltung. "Die Veränderungen", heißt es im "Conference Statement", "werden hinreichend zerstörerisch sein, um keinem Land mehr die Perspektive eines möglichen Vorteils zu lassen."

In den nächsten 17 Jahren müßten – und könnten – die Industrieländer ihren CO hoch 2-Ausstoß um 20 Prozent, in den folgenden Jahrzehnten dann um mehr als 50 Prozent vermindern, forderten die Wissenschaftler in Toronto. Sie verlangten eine effektivere Energienutzung und den Umstieg auf umweltschonende Energieerzeuger. Um dies zu beschleunigen, solle eine Sondersteuer auf fossile Brennstoffe erhoben und damit ein "Atmosphärenfonds" geschaffen werden. Dieser könne die Erforschung weiterer Möglichkeiten zur Energieeinsparung finanzieren. "Die wirklich fortschrittlichen Bereiche unserer Industrie brauchen gar nicht so viel Energie", befand der deutsche Physiker Klaus Michael Meyer-Abich, "die Autos verbrauchen nach zehn Jahren Entwicklung nur noch die Hälfte des Treibstoffs."