Nach den Erfahrungen mit der parlamentarischen Sommerpause in den vergangenen Jahren war die vor ein paar Wochen an Kanzler Helmut Kohl gestellte Frage berechtigt, was er denn tun wolle, um das übliche Bonner Sommertheater in diesem Jahr zu verhindern.

Da Helmut Kohl nach eigener Einschätzung „natürlich nichts Überirdisches tun kann“, wußte er sich keinen Rat, zumal er aus Erfahrung weiß, „daß in der Sommerpause die große Stunde für jene kommt, deren Stimme man sonst nicht so hört“. Der Kanzler: „Es gibt viele, die legen ihren Urlaub so, daß sie in der Sommerpause hier sind. Und da gibt es natürlich eine bessere Möglichkeit.“ Zwar warnte Bundestagspräsident Philipp Jenninger vor weiteren „öffentlichen Streitereien über Randthemen“, die in einem künstlichen Sommertheater zu Kernfragen der Nation hochstilisiert würden. Ob sich die in Bonn urlaubenden Politiker das zu Herzen nehmen, ist aber zu bezweifeln. Noch hat sich kein großes Theater-Thema herauskristallisiert, die vielen kleinen Sketche legen jedoch die Vermutung nahe, daß es sich schon um Vorspiele für größere Aufführungen handelt.

Der unermüdliche FDP-Abgeordnete Josef Grünbeck geißelte wieder einmal die Airbus-Subventionen als das „dubioseste Geschäft der deutschen Industriegeschichte“ und schlug kräftig auf Franz Josef Strauß ein, der „die Bundesregierung seit Jahren leimt, indem er immer wieder sagt, ’ihr braucht nur noch diesmal Geld zu geben, dann kommt der Airbus in die Gewinnzone‘“.

Der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel nutzte die nachrichtenarme Sommerzeit, den Kanzler aufzufordern, die Vertrauensfrage zu stellen. CDU-MdB Jürgen Todenhöfer, der schon als Kind davon träumte, einmal Kanzler zu werden, machte von sich und diesem unserem Lande reden: „Es gibt kaum etwas, von dem die Bürger unseres Landes mehr die Nase voll haben wie von der immer unerträglicher werdenden Bürokratisierung unseres Landes.“ Zum Hauptdarsteller der Sommerpause wird er damit wohl nicht.

Die Rolle hingegen, auf die sich FDP-Generalsekretär Helmut Haussmann gerade vorbereitet, ist auch noch nicht vergeben, wiewohl Haussmann sich wiederholt als Nachfolger von Wirtschaftsministers Martin Bangemann empfahl. Entschieden ist nichts, die mit Bangemanns Abwanderung nach Brüssel fällig werdende Kabinettsumbildung dürfte allemal ein bühnenreifes Thema werden – Titel: Kabale und Ämter.

Schon etwas ernster ist jene Sache, mit der CDU-Sozialexperte Alfons Müller die Sommerbühne betrat. Er begehrte zusätzliche Sozialleistungen für mehr soziale Gerechtigkeit. Das wies der FDP-Sozialexperte Dieter Thomae prompt zurück. Er meinte, die in den Koalitionsverhandlungen vereinbarte Erhöhung der familienpolitischen Leistungen müsse sogar zurückgestellt werden.

Einen ganz bescheidenen Sommerbeitrag bescherte die CSU, die bisher die schlechte Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung in Sachen Steuerreform beklagte. Mit einer Pressemitteilung hat die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag unbeabsichtigt besonders auffällig dokumentiert, was von der Steuerreform zu halten ist. Die erste Seite der Mitteilung bestand aus einem leeren Blatt.