Sommerzeit, Reisezeit, Lesezeit. Aber was sollen wir lesen? Im Regen, im Stau? Prominente geben Rat in schwierigen Fragen. Boris Becker (deutscher Tennisspieler) bekannte kürzlich im Spiegel, er lese Goethes Gespräche mit Eckermann. „Nur glaubt mir das natürlich keiner.“ Doch, doch, glauben wir gerne. Auch deutsche Tennisspieler müssen manchmal lesen. „Die Hauptsache ist, daß man lerne, sich selbst zu beherrschen“ (21. 3.1830). Damit wollen wir Boris allein lassen.

Aber was lesen die anderen? Charles Bukowski (amerikanischer Schriftsteller) liest, einer Umfrage der Zeitschrift Tempo zufolge, die „Reise ans Ende der Nacht“ von Céline. „Ich habe das Buch in einer Nacht durchgelesen.“ Ja, und was machen wir dann? Uns packt Verzweiflung.

Doch halt, hier naht die Rettung: Ines de la Fressange (französisches Photomodell) liest Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Ist das nicht Wahnsinn, ist das nicht der Tip? Leider ist uns Ines de la Fressange nicht näher bekannt, aber dieses Bekenntnis macht uns zu alten Bekannten.

Hatten wir nicht schon im letzten Jahr den Musil dabei und im vorletzten und all die vielen Jahre? Erst die dreibändige Ausgabe, dann die Taschenbuchausgabe, schließlich die neue zweibändige. Überall hatten wir ihn gelesen, am Kamener Kreuz und in München-Riem, am Inntaldreieck und im Zwischenlager Frankfurt-Rhein-Main. Ulrich und Agathe, Walter und Ciarisse, ach ja.

Irgendwie waren wir nie ans Ende gekommen, ebensowenig wie Musil. Entweder war die Maschine in Düsseldorf doch noch gestartet, oder eine rätselhaft lähmende Müdigkeit hatte uns befallen. Einmal, es muß in dieser Frittenbude am verregneten Strand von Aberystwyth gewesen sein, waren wir bis zu jener Stelle vorgedrungen, wo Ulrich im Schreibtisch seines verstorbenen Vaters Porno-Photos entdeckt. Ein erregender Augenblick, der uns weitere fünf Minuten wach gehalten hatte.

Ja, das ist der Tip. Wieder werden wir diesen mit Abstand spannendsten Roman der Weltliteratur einpacken. Diesmal für die Schlafwagenstrecke Hamburg-Lörrach, und schlafend werden wir an Sie denken, liebste Ines de la Fressange. Finis