ZDF, Dienstag, 26. Juli, 22.10 Uhr: „Identy Kid ... für meine Väter“ von Ed Cantu

Wir sind alle Helden. Mit der Videokamera in der Hand ziehn wir durch das ganze Land. Am liebsten aber sehen wir: ans. Und unsere Lieben. Was kaum noch denkbar schien, machen die kleinen Apparate möglich: es entstehen wieder Familienchroniken. Denn anders als Dias oder Schmalfilme sind Videobänder nicht nur für bunte Urlaubsbilder gut, sondern sie können – wie der große Bruder, das Fernsehen – dokumentieren.

Jeder Videofilmer sein eigenes Kamerateam. Die Videokamera bringt die Leute zum Reden. Die alten Familiengeschichten klingen plötzlich wie neu. Eine der faszinierendsten Erzählbewegungen ist der Kreis. Ein Bild, eine Situation als Ausgangspunkt. Wie ist es dazu gekommen? Eine Reise in die Vergangenheit, das Bild füllt sich mit Leben.

Eine solche Geschichte erzählt Ed Cantu in seinem kleinen Fernsehfilm „Identy Kid ... für meine Väter“. Von seinem leiblichen Vater besitzt Cantu zu Beginn des Films nicht mehr als ein Photo, Gruppenbild in einem Nürnberger Tanzlokal im Jahr 1947, und vifer Phantomskizzen, die ihm ein Polizeizeichner angefertigt hatte: So könnte der Mann, der Mark Edwards hieß, heute aussehen – „Identikit“ nennt sich das Verfahren, aus wenigen Informationen (hier das Bild aus dem Jahr 1947 und die Kenntnisse über den Alterungsprozeß) ein Gesicht zu entwerfen.

„Identy Kid“: Ein Kind sucht seine Identität – und die Wahrheit. Die Frage nach seiner Vergangenheit tauchte für Ed Cantu erst auf, als er erwachsen und selbst Vater eines Sohnes geworden war. Dann aber mit Macht. Denn seine Mutter hatte ihn jahrelang mit einer Legende abgespeist: Mark Edwards sei kurz nach der Geburt des kleinen Ed gestorben – bei einem Autounfall. Später hieß es: Er sei in Vietnam gefallen.

Die Mutter hatte in den fünfziger Jahren einen anderen Amerikaner geheiratet und war in die Vereinigten Staaten gezogen, wo auch Cantu aufgewachsen ist. Er kam als Soldat nach Deutschland zurück – wie einst der Vater. In Berlin blieb er, studierte, arbeitete als Tontechniker, Zeitungsfahrer und Chemiker.

Ed Cantu hat seine Mutter fünfzehn Jahre nicht gesehen. Er nimmt seinen Sohn an die Hand, schultert die Videokamera (die er in diesem Fall nicht allein getragen hat) und zieht los, macht sich auf die Suche nach Zeugen. Zuerst in Nürnberg, dann in den U.S.A. Es sind die eigenen Lebensstationen, und obgleich der Film sich ganz auf die persönliche Geschichte Cantus beschränkt, öffnet er sich zu einem Panorama der deutsch-amerikanischen Nachkriegsgeschichte.