Von Klaus-Peter Schmid

Nun schlaget die Brücke über den Rhein! Ich denke, der Champagnerwein wird, wo er wächst, am besten sein!

August Kopisch: Blücher am Rhein

Was trieb wohl Johann-Joseph Krug von Mainz hinaus in die Ferne? Seit vier Generationen waren die Krugs Metzger in der kurfürstlichen Stadt, auch der 1800 geborene Sprößling mit den braunen Augen und den rotblonden Haaren war wohl dazu bestimmt, mit Schlachten und Verwursten seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch Joseph zog es nach Frankreich, nach Chälons-sur-Marne, nicht weit von Reims mit seiner himmelstrebenden Kathedrale.

„Zu jener Zeit stellen die französischen Unternehmen gerne schweizerische oder deutsche Büroangestellte ein. Mit ihnen gibt es keine Probleme: ehrlich, rechtschaffen, fleißig und zuverlässig, Leute mit guter Reputation.“ So schildern heute Henri und Rémi Krug die Anfänge ihres Ururgroßvaters in der Champagne. Der fand bei dem Champagnerhändler Adolphe Jacquesson Brot und Arbeit, heiratete dessen englische Schwägerin und machte 1843 sein eigenes Champagnerhaus auf: Krug et Compagnie, Reims.

Die Familientradition der Firma Krug ist in der fünften Generation ungebrochen, noch heute bürgt der Name auf der bauchigen Flasche für Spitzenqualität. Die erste eigene Cuvée füllte 1845 genau 40 842 Flaschen, eine halbe Million wird heute alljährlich in die ganze Welt versandt. Und wenn Henri und Rémi von ihrem Pfälzer Vorfahren erzählen, dann klingt so etwas wie Stolz mit, daß das Lebenswerk des Metzgersohns vom Rhein noch heute floriert.

Dabei ist die Karriere des Johann-Joseph Krug gar nicht so ausgefallen, wie das scheinen mag. Ein Nachbar und Konkurrent in der Rue Saint-Hilaire hieß Werle-Clicquot, und Werle war ein Landsmann. Schon 1827 hatte Godefroy H. von Mumm, ein Sohn des Firmenbegründers Peter Arnold Mumm, in Reims seine Champagnerfirma als Zweiggeschäft der Mumm’schen Weinhandlung im rheinischen Eltville aufgemacht.