Waffenstillstand in Sicht: Die Geschichte eines langen Kampfes um die Vorherrschaft im Golf

Von Dietrich Strothmann

Die Überraschung war perfekt: Nach bald acht Jahren Krieg am Golf ist Teheran endlich bereit, mit Bagdad einen Waffenstillstand zu schließen, gemäß der Weltsicherheitsratsresolution 598 vom Juli 1987. Sollte ihm das unverhoffte Glück weiter hold sein, so UN-Generalsekretär Pérez de Cuéllar, dann könne die Regelung über die Feuereinstellung binnen zehn Tagen perfekt sein.

Dennoch zweifeln viele daran, daß es das Regime der Ajatollahs ernst meint – die Golfanrainer zumeist, aber auch die Amerikaner. Was Wunder vor allem, daß die Irakis, die der UN-Resolution schon letztes Jahr zugestimmt hatten, ihrem Erzfeind nicht über den Weg trauen und erst einmal, Gewehr bei Fuß, argwöhnisch abwarten. Schwer vorstellbar ist trotz allem, daß Teheran auf die Verurteilung Bagdads als Aggressor verzichtet. Kaum vorstellbar ebenso, daß Bagdad dem Ansinnen Teherans doch noch entspricht und sich vor aller Welt an den Pranger stellen läßt. Das ist der Pferdefuß, der das Konzept von Waffenstillstand und Frieden in der Golfregion leicht zu Fall bringen kann.

Dabei besteht nicht der geringste Zweifel, wer den Krieg begonnen hat: Im Morgengrauen des 23. September 1980 drang der Irak mit sechs Divisionen an vier Stellen über die Grenze auf iranisches Gebiet vor. Die Gelegenheit, so dachte sich Präsident Saddam Hussein damals, sei günstig. Irans Armee, aus Zeiten des Schah gut ausgebildet, modern bewaffnet, war von den Ajatollahs „gesäubert“, also geschwächt worden. Die Weltmeinung, dachte der Iraker weiter, sei den islamischen „Weltverbesserern“ gewiß nicht gewogen. Also ergriff er die Gelegenheit beim Schopfe und kalkulierte voreilig eine Art Blitzsieg.

Erwiesen ist freilich auch, daß Teheran seinen Gegner zum Angriff anstachelte, durch Grenzscharmützel und gewaltsame Umsturzversuche. So steigerte sich der Konflikt zum Krieg, über Provokationen zu Gegenschlägen, vom Wortkrieg zum Schießkrieg. Vom Frühsommer bis zum September 1980 ließ das iranische Revölutionskommando seine Truppen an der irakischen Grenze aufmarschieren, flogen iranische Jagdbomber Angriffe auf irakische Ölterminals und Städte. Fünf Tage vor dem Einmarsch der Divisionen Husseins verkündete Radio Teheran: „Es herrscht der Heilige Krieg, bis das Regime des Despoten (in Bagdad) gestürzt ist.“ War also der irakische Präventivschlag ein Verteidigungsschlag? Ist Bagdad der Aggressor, doch Teheran der am Krieg Schuldige?

Tollkühne Absicht