„Die grellen Lichter der Großstadt“ von James Bridges

Bright Lights, Big City. Ein Titel wie eine Skyline. Mehr eine Herausforderung für den Kameramann als für den Regisseur, eher eine Frage des Lichts als der Einstellung. Bei Coppolas „Der Pate“, Pakulas guten frühen Filmen und Woody Allens Meisterwerken stand Gordon Willis hinter der Kamera. Das Licht wirft bei ihm keinen Hochglanz auf die Dinge, sondern konturiert sie vor ihren Hintergründen. Durch einfache Linien, durch in den Raum gestaffelte Flächen schafft Willis Tiefe. Er geht mit den Farben um wie im Schwarzweißfilm, setzt sie wie Licht auf seine klarschattigen Bilder. Gordon Willis’ Kameraarbeit hält die Geschichte zusammen, vom Jungen aus Kansas in Manhattan, von großen Ambitionen und geringen Aussichten, von einer jungen Ehe und ihrem überstürzten Scheitern, von einem entwaffnenden Lächeln und einer blutenden Nase, von zuviel Koks und zuwenig Überblick, von einem Yuppie auf dem Weg zum dropout. Michael J. Fox ist in dieser Rolle so daneben wie John Travolta als Starreporter in James Bridges’ letztem Film „Perfect!“. Aber das schafft im Film die Distanz, die Jay Mclnerney in der Vorlage durch das Erzählen in der zweiten Person herstellt: wie sich einer aus den Augen verliert. Das Naheliegende ist Bridges ganz unerwartet fern. Statt den Roman koksschwanger und neonselig zu beschwören, erzählt er ganz geradeaus. Nicht der Geschichte, sondern der Charaktere wegen. Aber er kommt nicht los vom Roman, weil der Autor Mclnerney fürs Drehbuch nichts von seinem Stoff preisgegeben hat. So zeichnet sich der Film wie eine Silhouette vor dem Hintergrund seiner Möglichkeiten ab. Seine Ränder, seine Grenzen sind zu deutlich erkennbar. Gordon Willis kann nichts dafür. Michael Althen

„The Trip to Bountiful“ von Peter Masterson

Der Mond läßt sie nicht schlafen, die alte Witwe Watts (Geraldine Page). Gedankenverloren sitzt sie in ihrem Schaukelstuhl und träumt sich fort aus der winzigen Stadtwohnung in ihr Heimatdorf Bountiful, wo alles, der Name sagt es, großzügiger, reichlicher war. In der bedrängenden Atmosphäre der Wohnung macht ihr die Schwiegertochter das Leben schwer, und ihr Sohn ist der hilflose Dritte, der sich nicht gegen, aber auch nicht für sie entscheiden kann. Eine typische Konstellation für ein Kammerspiel. Doch Mrs. Watts, eine mädchenhafte Greisin, hat anderes im Sinn. Voll froher Erwartung verläßt sie in einem unbewachten Augenblick die Wohnung und strebt dem Busbahnhof zu. Auf ihrem Weg erlebt sie allerlei Überraschungen. Sie wird verfolgt von Sohn und Schwiegertochter. Ein sanftmütiger Sheriff begleitet sie schließlich in ihren Heimatort, der nur noch aus verlassenen Häusern und verwilderten Gärten besteht. Als Mrs. Watts allein vor ihrem Geburtshaus steht, weiß sie, daß die Vergangenheit unwiederbringlich ist. Diese Botschaft, in rührselige Worte gefaßt, reicht dem Regisseur noch nicht. Es kommt zu einer gefühligen Aussprache zwischen Mutter und Sohn. Der Film, der auf einem Theaterstück basiert (Autor: Horton Foote) ist selbst in der Totale immer noch, was er zu Beginn war: ein Kammerspiel. Anne Frederiksen

Sehenswerte Filme

„Wohin?“ von Herbert Achternbusch. „Die Affäre Aldo Moro“ von Giuseppe Ferrara. „Sammy und Rosie tun es“ von Stephen Frears. „Peking Opera Blues“ von Tsui Hark. „Wish You Were Here“ von David Leland. „Angel Face“ von Otto Preminger. „Der Freund meiner Freundin“ von Eric Rohmer.