Von Matthias Naß

Der Heilige Krieg kennt keinen Kompromiß. Und dennoch strecken die Heiligsten der Krieger Friedensfühler aus. Acht Jahre schon dauert das Gemetzel am Golf. Eine Million Menschen mußten ihr Leben lassen, viele starben unter Schwaden von Giftgas. Der Krieg am Golf der Araber zog schließlich gar die Schlachtschiffe der Amerikaner an. Doch die Front zwischen dem Iran und dem Irak, makabre Ironie, steht heute wieder dort, wo alles angefangen hatte im September 1980. Ein Krieg, in dem keiner siegen konnte! Ein Krieg, der nun, endlich, an sich selbst verblutet?

Wer mit Gott kämpft, fürchtet nicht Tod noch Teufel. Der Satan Saddam Hussein müsse gestürzt werden – dafür trieb der greise Revolutionsführer Chomeini Hunderttausende ins Feuer. Der Aggressor müsse bestraft werden, lautete bis zuletzt seine Bedingung für einen Friedensschluß.

Am Wochenanfang dann die überraschende Wende: Jetzt akzeptierte der Iran bedingungslos die Resolution 598, die der UN-Sicherheitsrat fast auf den Tag genau vor einem Jahr einstimmig beschlossen hatte; damals hatte der Irak sofort zugestimmt. Ein später Triumph für die Weltorganisation? Wohl auch. Vor allem aber das Eingeständnis der fanatischen Mullahs in Teheran, daß der Iran seine Kräfte erschöpft hat.

„Bald werden wir Jerusalem befreien und dort beten“, hatte Ajatollah Chomeini 1979 den Gläubigen in der heiligen Stadt Ghom verheißen. Die islamische Revolution, die den Schah vom Pfauenthron gestoßen hatte, entfesselte einen Sturm, der die Brandfackel der religiösen Revolte in alle Länder des Mittleren Ostens tragen sollte. Der schiitische Furor versetzte Persiens Nachbarn in Angst und Schrecken.

Die Mullahs forderten in ihrer Selbstüberhebung die arabischen „Verräter“, die „Zionisten“ in Israel, die ganze „globale Arroganz“ heraus. Doch einen Weltenbrand entfachte der Konflikt am Golf nicht. „Die Zeit ist nicht mehr auf unserer Seite“, mußte Irans mächtiger Parlamentspräsident Rafsandschani im Frühjahr eingestehen.

Lange genug hat der Gottesstaat seine Volksmassen gegen den waffentechnisch überlegenen Gegner anrennen lassen. Ohne Erbarmen schickte er seine Kinder in die Minenfelder. Immer wieder stürmten Freiwillige mit Koranversen gegen Panzer an. Doch nun fanden die Mullahs keine Märtyrer mehr. Das Volk ist des Krieges müde, die Truppe demoralisiert. Irakische Raketen auf Teheran sowie eine schnelle Folge militärischer Niederlagen zerstörten den Siegesglauben der Iraner.