Von Marion Gräfin Dönhoff

Die erste gute Nachricht, die seit langer Zeit aus Afrika kommt: Es könnte sein, daß der Krieg in Angola, der seit 13 Jahren ein eiches Land (Öl, Gold, Diamanten, Kaffee) verwüstet, zum Stillstand kommt und daß Namibia, das seit 22 Jahren widerrechtlich von Südafrika besetzt ist, seiner Unabhängigkeit näher rückt.

Noch muß man drei Fragezeichen hinter die Nachricht setzen, daß die vier Parteien, die in der vorigen Woche in New York verhandelten – Amerika, Kuba, Angola, Südafrika – sich auf ein Grundsatzpapier, das noch von den Regierungen ebilligt werden muß, geeinigt haben. Dennoch, es gibt Hoffnung. Das Grundsatzpapier trägt den Tiel „Prinzipien für eine friedliche Regelung im üdwestlichen Afrika“. Zum ersten Mal sind dort aIso Vorschläge für einen Abzug der Kubaner aus Angola und der Südafrikaner aus Namibia schwarz auf weiß niedergelegt worden. Übrigens war auch ein sowjetischer Beobachter dabei, als Auf der unwirtlichen Insel im Hafen von New York die Gespräche stattfanden. Nicht vertreten waren zwei Betroffene, die noch Schwierigkeiten lachen könnten, die beiden Aufrührer Jonas Saimbi, Chef der Unita, und Sam Nujoma, Chef er Swapo.

Wirklich die erste gute Nachricht? Ja, seit langem kann Afrika nur mit negativen Rekordziffern ufwarten: Die Bevölkerung in der Subsahara-Region wird von 415 Millionen 1985 auf 840 Millionen im Jahr 2005 anwachsen, sich also in 20 Jahren verdoppeln. Die Erzeugung von Nahrungslitteln liegt bereits heute pro Kopf 15 Prozent unter dem Niveau von 1970 – während China und Indien mittlerweile Selbstversorger geworden sind. Die Landflucht ist in Afrika doppelt so hoch wie in der übrigen Welt: Im Jahr 2000 werden etwa 42 Prozent der Bevölkerung Afrikas in Städten eben. Und noch eine Unglückszahl: Von den unwahr 15 Millionen Flüchtlingen, die es derzeit in er Welt gibt, sind rund ein Viertel Afrikaner.

Der Krieg in Angola, ein Land, das doppelt so roß ist wie die Bundesrepublik, ist kein simpler uschkrieg. Es wird dort mit modernsten Waffen ekämpft. Die Regierung in Luanda verfügt über mehr als 2000 Panzer russischer Herkunft, die Unita Savimbis kämpft mit amerikanischen Stinger-Raketen gegen sowjetische Flugzeuge. Sie hat nach eigenen Angaben im vorigen Jahr 140 feindliche Flugzeuge abgeschossen und während der letzten Monate 50 Panzer erbeutet.

Dreizehn Jahre Krieg und tausend Schwüre: Die Südafrikaner schworen, niemals Namibia freizugeben, solange die Kubaner in Angola sind; die Regierung Angolas in Luanda beteuerte, die Kubaner dürften das Land erst verlassen, wenn der Frieden hergestellt sei. Und nun soll mit einem Mal alles anders sein – wie ist das möglich? Ganz einfach: Die Supermächte haben die Nase voll.

Nach 13 Jahren haben beide Seiten eingesehen, daß keiner siegen kann, weder die kommunistische Regierung in Angola, die von den Russen beraten und munitioniert wird, noch der Volkstribun und Guerilla-Führer Savimbi, hinter dem die Südafrikaner stehen und den die Amerikaner stützen. Beide Großmächte haben über die Jahre viel investiert, ohne je ein Resultat zu sehen. Keiner kann siegen, aber auch keiner verlieren.