ZEIT: Was halten Sie vom Vorgehen des Bonner Umweltministers?

Hirsch: Ich kann nicht erkennen, daß die nordrhein-westfälische Genehmigungsbehörde das Verfahren nicht mit der Sorgfalt und Genauigkeit betrieben hat, die wegen des enormen Gefährdungspotentials des Schnellen Brüters geboten ist. Ich habe dagegen viel eher den Eindruck, daß die Betreibergesellschaft das Verfahren nicht mit der erforderlichen Genauigkeit betreibt. Sie hat nämlich genehmigungspflichtige Änderungen vorgenommen, dafür aber noch nicht einmal die Genehmigung beantragt. Wenn Düsseldorf jetzt unter Zeitdruck gesetzt wird oder sogar die Einholung bestimmten sicherheitsrelevanter Gutachten untersagt wird, könnte der Eindruck entstehen, Wirtschaftlichkeit sollte vor Sicherheit gehen. Das wäre nicht nur für den Brüter, sondern für die gesamte Kernenergie fatal.

ZEIT: Ist Umweltminister Töpfer in diesem Verfahren der verlängerte Arm der Industrie?

Hirsch: Das möchte ich zugunsten von Herrn Töpfer nicht sagen. Er hat sich bisher wirklich gut geschlagen. Aber man darf auch nicht verkennen, daß der Schnelle Brüter ein sieben Milliarden Mark großer Schwarzer Peter geworden ist, der hin- und hergeschoben wird. Niemand will mehr die Verantwortung übernehmen, endlich zu sagen, daß es sinnlos geworden ist, die Anlage ans Netz gehen zu lassen. Jeder weiß, daß das so ist, in Wirtschaft wie in Politik.

ZEIT: Fehlt der Mut, das Projekt abzubrechen?

Hirsch: Das ist sicher richtig. Ich habe schon vor Jahren gesagt, daß Kalkar ein Dinosaurier ist: zu kleines Gehirn, zu großer Panzer, nicht fortpflanzungsfähig. Die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die bei Beginn des Projektes gegeben waren, sind weggefallen. Dennoch hat niemand den Mut, das offen zu sagen. Man sagt jetzt, der Brüter solle als Forschungsreaktor weiterbetrieben werden. Dabei wird übersehen, daß die französische Brüter-Variante, wenn sie je funktioniert, sehr viel fortgeschrittener ist als die deutsche Brütertechnik. Außerdem sollte bedacht werden, daß die eines Tages fällig werdenden Kosten für den Abriß des Reaktors um ein Vielfaches größer sein werden, wenn der Inhalt erst einmal radioaktiv geworden ist.

ZEIT: Es heißt auch, die Technologie werde für den Export benötigt?