Griechisch: Ein Ruhmesblatt sind die Aufklärungsversuche, die die griechische Polizei wegen des Terroristen-Überfalls auf das Urlauberschiff City of Poros unternommen hat, bisher nicht. Das Attentat vom 11. Juli kostete neun Menschen das Leben, 80 wurden verletzt. Als Täter präsentierte die Athener Polizei zwei junge französische Touristen. Beweise blieb sie schuldig. Aussagen können die beiden nicht mehr, sie kamen bei dem Überfall ums Leben. Das empörte Frankreich, das die beiden jungen Leute für unschuldig hält, wirft den Griechen vor, sich ihre guten Beziehungen zur arabischen Welt allmählich zu viel kosten zu lassen. Überschattet von dem Unglück ist auch der Start von Premierminister Andreas Papandreou als Ratspräsident der Europäischen Gemeinschaft: Wie soll er nun die heiligen Schwüre anstimmen, mit denen auf jedem EG-Gipfel zum Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen wird?

Englisch: Zwar ist nicht wahr, daß der Luftverkehr nur über dem Vereinigten Königreich ins Stocken gerät, aber dem Chaos, in dem der Massentourismus auf den europäischen Flüghäfen in diesem Sommer unterzugehen droht, wird in England nicht nur stoisch, sondern auch geschäftstüchtig getrotzt. So meldete Manchester, daß der örtliche Flughafen am vergangenen Wochenende mit Erfolg in ein profitables Flüchtlingslager umgewandelt wurde. Für die 5000 Touristen, die auf dem Weg in südliche Gefilde in Manchester liegenblieben und Verspätungen bis zu 51 Stunden in Kauf nehmen mußten, belegte der Flughafen-Gastronom 9000 Sandwiches in 15 Variationen und kochte 1508 warme Mahlzeiten zusätzlich zum normalen Tagesangebot. Um jedem Flüchtling Platz und Nahrung zu garantieren, waren die Tischzeiten reglementiert: Wer vier Stunden gewartet hatte, erhielt Kaffee und Biskuits. Nach acht Stunden gab es eine warme Suppe und ein Butterbrot, nach zwölf Stunden hatten die Reisenden ein .Anrecht auf ein komplettes Essen erwirkt. Mahlzeit!

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Italienisch: So vergeblich wie die Deutschen ihr Bier verteidigt hatten, so erfolglos blieben jetzt auch die Italiener bei der Verteidigung ihrer Spaghettis. Das Reinheitsgebot für italienische Pasta, die nur aus purem Hartweizen angefertigt werden darf, sei mit den EG-Rechtsvorschriften über den freien Warenverkehr innerhalb der Gemeinschaft unvereinbar, urteilten die Euro-Kadis. Ausgelöst hatten den Nudelstreit die Deutschen, die mit einer Nudelteig-Mischung aus Hart- und Weichweizen – von den Italienern als nicht beißfähig abgelehnt – über die Alpen drängen. Nicht einmal der am Europäischen Gerichtshof tätige italienische Generalanwalt Mancini konnte seinen Landsleuten noch helfen. Der Italiener, der seinerzeit das Reinheitsgebot für das deutsche Bier um keinen Preis hatte gelten lassen wollen, verteidigte zwar vorbehaltlos die Reinheit der italienischen Pasta – umsonst. Die EG-Richter, das große Ziel des „Binnenmarktes ohne Grenzen“ vor Augen, verfingen sich nicht in der italienischen Spagettischlinge.

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Französisch: Jacques Calvet, der kämpferische Peugeot-Chef, sieht rot, wenn er die Grünen hört. Zu dieser Kategorie zählt er auch die Umweltminister der EG, die Ende Juni mit neun gegen drei Stimmen beschlossen, zu Beginn der neunziger Jahre auch für Kleinwagen die Emissionswerte herunterzusetzen. Calvet,. der darin nur einen Angriff auf die Moral französischer Kleinwagen-Hersteller erkennen kann, findet es wichtiger, die Ingenieure zur Entwicklung moderner Technologien zu ermuntern als den Kunden zu empfehlen, sich auf den seiner Meinung nach „absurden“ Katalysator einzulassen. Ach, Europa: Für die Grünen wird es noch zum Stahlbad werden.

Nina Grunenberg