Bisher hielt sich Eberhard von Kuenheim, Chef der Bayerischen Motorenwerke (BMW), bei Akquisitionen von Unternehmen stark zurück – ganz anders als sein Daimler-Benz-Kollege Edzard Reuter, der sich in wenigen Jahren den Triebwerkshersteller MTU, das Luft- und Raumfahrtunternehmen Dornier sowie den Elektrokonzern AEG einverleibte. Jetzt will auch Kuenheim größer zuschlagen. Anfang dieses Monats, so berichtet das Industriemagazin in seiner jüngsten Ausgabe, beschloß der BMW-Vorstand, die Mehrheit an der Berliner Elektroholding Bergmann Berliner citätswerke AG zu übernehmen. Geschätzter Wert dieser Transaktion: dreihundert Millionen Mark.

Bergmann setzt in diesem Jahr mit 12 300 Beschäftigten 1,65 Milliarden Mark um – vor allem im Bereich Kommunikation mit der Tochtergesellschaft DeTeWe, aber auch in den Sparten Energietechnik und Prozeßautomation sowie Meß- und Regeltechnik. Der Jahresüberschuß im vergangenen Jahr betrug siebzehn Millionen Mark. Am Grundkapital von siebzig Millionen Mark sind noch Siemens mit 37 Prozent, die Deutsche Bank und Bayerische Vereinsbank mit mehr als einer Schachtel beteiligt.

Alfred Herrhausen, Vorsitzender des Bergmann-Aufsichtsrates und Chef der Deutschen Bank, machte in der Bergmann-Hauptversammlung zu Beginn dieser Woche keinerlei Äußerungen zu der Übernahme durch BMW. In der letzten Woche vor der Entscheidung im BMW-Vorstand stieg der Kurs der Bergmann-Aktie von 365 auf 485 Mark.

So stark wie Audi ist kein anderer deutscher Automobilhersteller auf dem einst so profitablen US-Markt eingebrochen. Im ersten Halbjahr 1988 verkauften die amerikanischen Audi-Händler gerade noch 11 700 Wagen mit den vier Ringen am Kühlergrill – fast 53 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten 1987. Zum Vergleich: Audis Muttergesellschaft Volkswagen schaffte im selben Zeitraum dank des aus Brasilien importierten Modells Fox ein Absatzplus von 16,5 Prozent auf 73 000 Fahrzeuge. Audis schlechtes Abschneiden auf dem US-Markt ist von zwei Sonderfaktoren geprägt: In der größeren Klasse, hierzulande als Audi 100 und 200 verkauft, geht gerade ein Modellwechsel über die Bühne, der stets den Absatz schmälert. Außerdem sieht sich Audi einer beispiellosen Negativkampagne ausgesetzt, bei der es um angebliche Mängel geht, durch die Audi-Modelle plötzlich ohne Mitwirkung des Fahrers beschleunigt haben sollen. Nachdem Audi-Anwälte einige der insgesamt zweihundert deswegen anhängigen Klagen gewonnen haben, bei denen es um Schadenersatz nach Unfällen bis zu vierzig Millionen Dollar ging, erlitten sie nun eine Schlappe. Ein Gericht in Los Angeles verdonnerte den Autoproduzenten, einer verunglückten Audi-Fahrerin und ihrem Mann 2,9 Millionen Dollar Entschädigung und Schmerzensgeld zu zahlen. Der Wagen war 1982 in eine Mauer gerast. Das Gericht befand, Gas- und Bremspedal seien im Audi zu dicht nebeneinander angebracht.

Audi-Chef Ferdinand Piëch will nun das verlorengegangene Vertrauen seiner amerikanischen Kundschaft durch ein großzügiges Garantieprogramm zurückgewinnen: Über die bereits gewährte 50 000-Milen-(80 000-Kilometer-) Garantie hinaus will das Unternehmen bis auf die Reifen drei Jahre lang praktisch alles bezahlen, was bei einem Auto überhaupt kaputtgehen kann. Selbst den Gebrauchtwagenweit sichert Audi ab, wenn der Kunde einen neuen Audi erwirbt.

Die Unterhaltungselektronik-Sparte des niederländischen Philips-Konzerns startet den zweiten Versuch, eine Bildplatte auf den Markt zu bringen. Anfang September wird eine neue Compact-Disc (CD) ausgeliefert, die zur digitalen Musikwiedergabe auch ein Fernsehbild liefert. Die im Gegensatz zur silbrigen Musik-CD gülden glänzenden Scheiben können in drei Größen Pop- und E-Musik bebildern, aber auch Kinofilme auf den heimischen Fernseher bringen.

Mitte Oktober soll es etwa dreihundert CD-Video-Platten geben, die in erster Linie von der Philips-Tochtergesellschaft Polygram geliefert werden. Die Bildplatte soll der Unterhaltungselektronikbranche aber auch einen neuen Geräteverkaufsschlager bescheren. Für diese anders als die Musik-CD beidseitig bespielte Video-Platte müssen sich die Konsumenten nämlich neue Abspielgeräte zulegen, die am Anfang 1500 bis 2000 Mark kosten werden. Die bisherigen CD-Spieler können nur die Töne der Video-Scheibe wiedergeben. Die Philips-Manager hoffen, daß die Video-CD besser einschlägt als das „Laservision“-Bildplattensystem, das der Konzern vor rund zehn Jahren gegen die Videoband-Technik in den Markt zu drücken versuchte. Die Verbraucher setzten aber auf das wiederbespielbare Magnetband – das Philips-Bildplattensystem wurde ein Reinfall und 1986 wieder eingestellt.