Kein Grund zur Traurigkeit. Es gibt doch noch Urlaubsfluchtpunkte, die als Inkarnation des Schönen, Reinen und Unverdorbenen gelten können. Ans Herz gelegt werden sie uns von einem Mann, der bisher in der Reisebranche noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten ist: von Professor Dr. Rupert Scholz, seines Zeichens Bundesminister der Verteidigung. Und sie tragen Namen, bei denen die fernwehkranke Seele leichtbeschwingt ins Träumen gerät: Hammelburg und Grafenwöhr, Hergen, Baumholder oder Münsingen.

Scherz beiseite, das sind doch ...? Ganz genau. Das sind Truppenübungsplätze der Bundeswehr, Orte, an denen nach verbreiteter Ansicht stählerne Leoparden durchs Gelände jagen und bisweilen auch zu Übungszwecken aus allen Rohren schießen. Und das Resultat? Etwa Zerstörung? Verbrannte Erde?

Weit gefehlt! Diese Übungsplätze, so lehrt uns die soeben erschienene Hardthöhen-Broschüre „Bundeswehr und Umweltschutz“ (in tarngrünem Einband), „haben sich zu ökologischen Inseln entwickelt mit wichtiger Funktion im Biotopverbundsystem und für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten“.

So manches Manövergelände, lesen wir da, ist ein wahres „Refugium für Flora und Fauna“, und das nicht etwa nur am Rand, wo allenfalls ein bißchen „Tarnen und Täuschen“ auf dem Übungsplan steht, damit der böse Feind nichts sieht – im Gegenteil: „Vor allem die Gefahrenbereiche sind teils unberührte Natur, wie sie in den allgemein zugänglichen Erholungsgebieten nicht mehr vorkommt.“

Jener Rest von heiler Welt, den so mancher von uns schon unwiederbringlich verloren glaubte, existiert also doch noch, an Plätzen, wo Mensch und Tier um die gelungenste Tarnung wetteifern.

Mehr noch: „Die Schlammsetzbecken der Panzerwaschanlagen haben sich zu optimalen Amphibienlaichplätzen entwickelt“, erläutern uns die Grünen von der Bonner Hardthöhe, „Staunässen im Gelände und wassergefüllte Fahrspuren sind wertvolle temporäre Feuchtgebiete“, die nicht trockengelegt werden. Damit „bleiben in diesen kleinen Wasserlöchern Laichplätze für seltene Amphibien wie Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Bergmolch erhalten“.

Bevor Sie nun gleich ins Auto stürzen, um sich auf einer dieser Nato-oliven ökologischen Inseln an den unbefleckten Busen der Natur zu schmiegen und Ihr Bedürfnis nach Ruhe und Erholung zu stillen – einen Haken hat die Sache: Die Bundeswehr-Biotope sind militärische Sicherheitsbereiche und daher „unter anderem wegen der Blindgängergefahr auch in der übungsfreien Zeit nicht allgemein zugänglich“.