Die DDR befindet sich in einer Art Zwischenzustand. Deshalb erregen Personalia besondere Aufmerksamkeit. Als Klaus Gysi, der Staatssekretär für Kirchenfragen, vorige Woche seinen Rückzug aufs Altenteil bekannt gab, waren sich die Auguren rasch einig: Das ist auch ein Politikum.

Gysi ist vom selben Jahrgang 1912 wie DDR-Staatschef Erich Honecker. Ihm ist es mit zu verdanken, daß sich das Verhältnis des kommunistischen Staates zur Kirche seit Mitte der siebziger Jahre gemildert hat. Ohne Honeckers Segen wäre der Wandel nicht zustande gekommen.

Institutionell betrachtet, ist der Staatssekretär lediglich ein ausführendes Organ der Partei. Sein eigener Einfluß hängt davon ab, ob er das Vertrauen derjenigen besitzt, die im Politbüro die Entscheidungen treffen. Nun gab es in letzter Zeit Anzeichen dafür, daß Honecker sich mehr und mehr auf die Außenpolitik beschränkt. Wer nun die Innenpolitik maßgeblich lenkt, ist nicht recht erkennbar.

Jedenfalls laufen die Dinge zwischen Staat und Kirche seit Monaten weniger denn je im leidlich eingeübten, wenn auch allemal fragilen Gleichgewicht : erst die Ereignisse an der Ostberliner Zionskirche und der dazugehörigen Umweltbibliothek, dann die Januar-Ausbürgerungen und -Ausweisungen, schließlich die Zensur einiger couragierter Kirchenzeitungen. Gysis Pensionierung ist gewiß davon nicht zu trennen.

Sein Nachfolger ist der 56jährige Kurt Löffler. Er hat von 1980 bis 1983 das staatliche Luther-Komitee geleitet und war stellvertretender Vorsitzender des (östlichen) Komitees zur 75o-Jahr-Feier Berlins.

Gysi ist ein Bildungsbürger und kann privat ein hinreißender Causeur sein. Von Löffler weiß man wenig mehr, als daß er ein Parteifunktionär ist. Dem Scheidenden werden viele Kränze gewunden. Dem Neuen schlägt viel Skepsis entgegen. G.S.