Overboard: „Accordions Go Crazy“

Daß das Musikmachen vorwiegend eine Angelegenheit von Spezialisten ist, das war nicht immer so, und es ist keineswegs selbstverständlich. Die Medien sind die notwendige Ergänzung des heutigen Musikspezialistentums; gäbe es sie nicht, wäre jedermann als Musikant gefragt. Daß solch unbefangene Jedermannsmusik auf einer Schallplatte erscheint, ist also gewissermaßen ein Widerspruch in sich; sie könnte von vielen gespielt werden und live in den Wirtschaften, auf der Kirmes erklingen oder bei Hochzeitsfeiern. Jedermannsmusik, die von jung und alt akzeptiert wird, nach der man tanzen kann, und die man so oder ähnlich schon einmal gehört hat – hier wird sie von Profis gespielt, die sich als vergnügte Dilettanten versuchen. Die Spiellust der englischen Gruppe „Overboard“ überwiegt hörbar ihre ästhetische Originalität; das müssen keine Berufs-Musiker sein, die so spielen, aber sie müssen enorm viel Spaß daran haben. Zwischen Funk und Folklore toben sie sich auf ihren Akkordeons, Flöten, Geigen aus, mit geradezu kindlicher Unbefangenheit der adaptierten musikalischen Tradition gegenüber. „The Lark“ ufert in eine verspielte Improvisation aus: „Jetzt machen sie Quatsch“, sagen die Kinder. Denen gefällt’s auch. (Trikont Nr. 4270)

Martin Ahrends

„Musik aus Renaissance und Romantik“

Der Heidelberger Lautenist und Gitarrist Johannes Vogt hat sich für diese Schallplatte ein eigenwilliges Programm gemacht. Wie merkwürdig auch: es fügt sich zusammen, obwohl zwischen den Renaissancestücken der ersten Seite und den romantischen der zweiten dreihundert Jahre liegen. Wahrscheinlich liegt’s an der nämlichen Stimmung, die der gewandte, seine Virtuosität nirgendwo demonstrativ ausspielende Musiker ihnen abgewinnt. So hört man durchweg hübsche Melodien, sehr viele gemessene Tanzstücke darunter, allesamt mit auffallender Artigkeit vorgetragen, das heißt: mit großer Gelassenheit, gleichmäßig, makellos, ohne Eskapaden in den Tempi und in der Lautstärke. Selbst die Tanzstücke klingen eher introvertiert als auffordernd, mehr nach Salon als nach Tanzdiele. Manches in diesem balsamischunterhaltsamen Kammerkonzert bleibt im Ohr, besonders das schmiegsame Gitarren-Rondo e-moll von Napoleon Coste (1806-1883) mit seinen phantasievollen Wendungen, (sound-star-ton, 3074 Steyerberg; SST 0202) Manfred Sack

Johann Friedrich Fasch:

„Concerti, Ouvertüren...“