Von Erika Martens

So viel Lob sind Gewerkschafter nicht gewohnt. Zwar wissen Politiker und Unternehmer in der Bundesrepublik die ordnende Hand der Arbeitnehmervertretungen im Wirtschaftsleben grundsätzlich durchaus zu schätzen. Doch immer, wenn sie sich anschicken, ihre Rolle als Interessenvertreter in konkrete Forderungen an Staat oder Arbeitgeber umzusetzen, hagelt es Kritik.

Diesmal freilich ist das anders. Der Verhaltenskodex der IG Metall, der Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen in Südafrika verpflichten soll, ihre schwarzen Mitarbeiter und deren Gewerkschaften vor den Folgen der Apartheidsgesetze zu schützen, findet in allen politischen Lagern Beifall.

Nicht nur die Sozialdemokraten begrüßen die vierzehn Mindeststandards der größten Einzelgewerkschaft der Welt, die IG Metall-Chef Franz Steinkühler in der vergangenen Woche mit den Zweigwerken der großen deutschen Automobilfirmen vereinbarte. Auch Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) unterstützen die Initiative der deutschen Metaller. Genscher dankte Steinkühler sogar ausdrücklich für diesen Vorstoß gegen die Apartheid und nannte ihn eine „wertvolle Unterstützung“ der Politik der Bundesregierung.

Selbst die Manager bedeutender Gesellschaften am Kap können dem Kodex durchaus positive Seiten abgewinnen. „Wir sind froh“, betont der Johannesburger Siemens-Chef Reinhard Sanne in einem Gespräch mit Steinkühler, „daß die IG Metall sich hier eingeschaltet hat, um ihre über hundert Jahre alten Erfahrungen in einem Land einzubringen, das gerade erst beginnt, den Umgang zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zu lernen.“ Dennoch macht Siemens seine Zustimmung zu dem Katalog von der Erfüllung eigener Forderungen abhängig. Die Töchter von BMW, VW und Daimler-Benz dagegen akzeptierten die Schutzbestimmungen ohne Einschränkungen.

Mercedes-Benz Südafrika, an der die deutsche Daimler-Benz AG mit etwas mehr als fünfzig Prozent beteiligt ist, war allerdings erst nach heftigern Drängen ihres stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Steinkühler zu dem Entgegenkommen bereit. Sepp van Hüllen, der die Geschäfte der Firma am Kap leitet, gilt als hardliner. Offenbar mußte die Muttergesellschaft aus der Bundesrepublik ihren Einfluß deutlich machen, um ihn zum Einlenken zu bewegen.

Zu dem Termin mit Steinkühler in der Mercedes-Hauptverwaltung in Pretoria kam van Hüllen allerdings extra aus dem Urlaub in Deutschland zurück. Die Verhandlungen mit dem IG Metall-Chef aber führte das ebenfalls eilends eingeflogene Vorstandsmitglied von Daimler-Benz in Untertürkheim, Gerhard Liener. Den Grund für seine demonstrative Einmischung verschwieg Liener nicht. Unter Hinweis auf den neun Wochen dauernden Streik schwarzer Mercedes-Arbeiter im vergangenen Jahr verwies er in Pretoria darauf, daß damals auch vom Management Fehler gemacht worden seien und „wir froh gewesen wären, wenn wir zu der Zeit schon einige der Regelungen gehabt hätten“.