Wer Argumente für einen weiteren Anstieg des Dollarkurses sucht, wird von Finanzberatern und Zeitungen reichlich bedient. Da ist zunächst die Erhöhung des amerikanischen Leitzinses. Außerdem wäre für den Präsidentschaftskandidaten George Bush, den neben Ronald Reagan auch die Japaner favorisieren, ein starker Dollar von Vorteil. Vor allem aber hat das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten, für Dollar-Spekulanten derzeit beinahe eine heilige Zahl, im Mai nur fast elf Milliarden Dollar betragen.

Na und? Es bleibt dabei, daß die Amerikaner sich in jedem Monat um weitere zehn Milliarden Dollar verschulden. Schon vergessen scheint, was dem nächsten US-Präsidenten bevorsteht. Er soll das längst fällige „Wunder“ vollbringen, zum einen das Haushaltsdefizit zu senken, ohne zum anderen eine Rezession hervorzurufen. Nur so kann das Wachstum der Auslandsverschuldung gestoppt werden, von der Rückzahlung der schon bestehenden Schulden ganz zu schweigen. Dafür sind die Amerikaner auf einen vergleichsweise niedrigen Kurs ihrer Währung angewiesen, um mehr zu exportieren. Es bleibt deswegen unersichtlich, warum der Dollar dauerhaft teurer werden könnte, nur weil das Niveau des Handelsdefizits um ein wenig mehr gesunken ist als erwartet.

Im momentanen Aufwärtstrend kann die Bundesbank jedenfalls einen Teil ihrer Dollar-Reserven günstig loswerden und so die Ausweitung der Geldmenge vermindern. An dem Zwang, Dollar zu kaufen, kann es also nicht mehr liegen, wenn die Bundesbank ihr Geldmengenziel dieses Jahr wieder nicht einhält. he