Mexiko kommt nach den jüngsten Präsidentschaftswahlen nicht zur Ruhe: Zwar wurde Carlos Salinas de Görtari, der Spitzenkandidat der „Partei der institutionalisierten Revolution“ (PRI) offiziell zum Sieger erklärt. Doch Vertreter der „Nationaldemokratischen Front“ (FDN), einem Mitte-Links-Bündnis gegen die seit 1929 ununterbrochen regierende PRI, glauben, daß es beim Urnengang am 6. Juli nicht mit rechten Dingen zugegangen ist und riefen, kurzerhand ihren Spitzenmann Cauthémoc Cárdenas als wahren Wahlsieger aus.

Der nach amtlicher Lesart mit 31,1 Prozent der Stimmen Unterlegene warf der Regierungspartei massiven Wahlbetrug vor: Wählerlisten hätten Namen mehrfach ausgewiesen oder Namen Toter enthalten; auf dem Weg zur Auszählung seien Stimmzettel der Opposition vernichtet und durch Voten für die PRI ersetzt worden; gültige Stimmen für die FDN habe man in Flüssen oder auf Müllkippen entdeckt. 300 000 Anhänger Cárdenas, der 1987 aus der PRI ausgeschlossen wurde, zogen am vergangenen Wochenende aus Protest gegen den Wahlschwindel auf die Straße. Am Zocalo-Platz in Mexiko-City skandierte die aufgebrachte Menschenmenge immer wieder: „Wir haben Cärdenas gewählt.“ Viele Mexikaner hoffen darauf, daß er dem ökonomisch ausgebluteten Land eine neue Perspektive öffnet. Die Hälfte der Wahlberechtigten habe die Kungeleien der Herrschenden allerdings satt und ginge gar nicht erst zur Wahl.

Cárdenas und auch Manuel Clouthier, der Führer der ebenfalls unterlegenen konservativen „Nationalen Aktionspartei“ (PAN), wollen nun eine landesweite Protestkampagne gegen die Manipulation der Regierenden PRI starten. Sie haben noch einige Monate Zeit für ihre Mission, denn erst im Dezember wird der neue Präsident sein Amt antreten. Mexiko stehen heiße Monate ins Haus.

ill