Männlich

So geht es einfach nicht weiter“, sagte sich Giselher. Seit Wochen verlangte seine Frau von ihm einen wirklich imponierenden Beweis seiner Männlichkeit. Giselher beschloß, eine Bank zu überfallen. Ganz einfach so. Nur mit Plastiktüte und Küchenmesser bewaffnet. „Unmaskiert betrat er die Sparkasse, nahm eine Kundin als Geisel und erhielt von der Kassiererin alle Geldscheine am Kassenschalter, insgesamt 20 260 Mark“, berichtete die Deutsche Presse Agentur zuverlässig aus Karlsruhe, wo der Prozeß gegen Giselher stattfand. Etwa 600 Meter entfernt von der Sparkasse hatten zwei Polizisten gestanden, denen sich Giselher danach sofort stellen wollte. Jedoch: als er aus der Bank trat, waren die uniformierten Beamten verschwunden, dpa: „So wandte er sich an Passanten mit der Bitte, die Polizei zu verständigen“, weil er eine Bank überfallen habe. Die meisten hielten es wohl für einen Scherz. Dachten sich gar, da sei schon wieder der berühmte Kurt Felix am Werk. Doch nein. Es war nicht Felix, sondern Giselher, dem es ernst war. Endlich erklärte sich ein Fußgänger bereit, für ihn bei der Polizei anzurufen. Giselher gab ihm noch die 20 Pfennig (20 260 minus 0,20 macht 20 259,80 Mark), und dann kamen sie endlich. In der ersten Gerichtsverhandlung erhielt er zwei Jahre, aber auf Bewährung. Und dabei hatte Giselher recht gehofft, ins Gefängnis zu kommen, statt zurück nach Hause. Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe hatte noch mehr Mitleid mit ihm. Giselher, hieß es in etwa, habe ja eigentlich nur Spaß gemacht. Das Landgericht solle nochmal drüber nachdenken, befanden die Karlsruher. Mein Gott, Giselher: Warum sich nicht einfach scheiden lassen statt anderer Leute Sparbücher abzukassieren?

Saftig

Im Gegensatz zu den Gewichthaltern, die ihre Kalorien zum größten Teil verbrennen, „setzen die Gewichtpendler ihren Nahrungsbrei bis zur letzten Kalorie in Fettpolster“ um. „Dicker durch Diäten“ meldete Der Spiegel und wiederholte unlängst die Süddeutsche Zeitung, als sei dies etwas völlig Neues.

Die mit den dicksten Diäten liegen jetzt am Wolfgangsee und anderswo zum Entschlacken. Wie oft war Helmut Kohl, unser Bundeskanzler, wohl schon im Salzburgischen, um abzuspecken, wie diese Prozedur wenig feinfühlig im Bonner Jargon heißt? Wahrscheinlich viel zu oft, um seinen Diätenbrei noch erfolgreich verbrennen zu können.

Der Nachteil von Diäten ist ganz offensichtlich: der Hunger durch sie wächst. Einen Nachschlag haben sich in diesen schweren Zeiten die Volksvertreter in Hessen genehmigt, wie zu hören war. „Mehr als saftig“ sei der gewesen, schmeckte die taz nach und notierte noch, daß allein die Grünen dankend abgelehnt hatten. CDU, SPD und FDP aber zögerten nicht, tüchtig zuzulangen. Doppelte Diäten sogar für den Landtagspräsidenten und die Fraktionsvorsitzenden, anderthalbfache Portionen für die Vizepräsidenten. Doch die fette Beute wird bei den Grünen gewiß nicht zu Verdauungsstörungen führen, denn auch sie werden nach dem deutschen Grundsatz, jeder habe seinen Teller aufzuessen, an schwere Kost gewöhnt sein.

Während die neue Stoltenberg-Reformkur gleich einer Brigitte- Blitzdiät nur das Beste für den Bürger will, halten mächtige Männer an dem seit langem bewährten Rezept fest, dicke Bäuche und massige Hüften hinter einem schlanken Schlips und über einem schmalen Gürtel zu verbergen.