Gewissensbisse

Eine „eigentümliche hierarchische Präpotenz, den Nächsten psychologisch zum Leibeigenen zu machen“, wird dem Bonner Auswärtigen Amt vorgeworfen – von einem Diplomaten, der sich deshalb auch selbst bezichtigt, zur Vertuschung der nationalsozialistischen Vergangenheit und der moralischen Mitverantwortung mancher seiner Kollegen beigetragen zu haben: Manfred Steinkühler, deutscher Generalkonsul in Mailand. In der Hamburger Zeitschrift für Sozialgeschichte 1999 definierte er das Auswärtige Amt als eine Welt „zwischen Kafka und Orwell, in der menschliche Wahrnehmung bis zum Absterben verkümmert“, und beklagte das „Rastlose, Umtriebige, Zwanghafte, mit dem wir statt Inhalte durchzuarbeiten vor ihnen in Verfahren flüchten und verzweifelt versuchen, die Wirklichkeit mit... Trugbildern zu verdecken“. Steinkühler weiß, daß er mit solchen Gewissensbissen riskiert, „über den Rand ins Aus“ gestoßen zu werden. „Ich werde mich zu behaupten wissen“, meint er – und man möchte es ihm wünschen.

Who’s who im Terror?

Endlich verfügt unser Archiv über einen Who’s who im Terror. Esquire, das „Magazin der erfolgreichen Lebensart“, hat einen „aktuellen Führer durch den Untergrund-Dschungel der wichtigsten ausländischen militanten Fanatiker“ veröffentlicht. Abu Nidal, Mehmet Ali Agca, Dscharnail Singh Bhindranwale – die Schicki-Micki-Postille „enttarnt die Drahtzieher der Organisationen des Schreckens“ in Ost und West, Süd und Nord. Auch Nelson Mandela, den schwarzen Bürgerrechtler, seit 25 Jahren in Südafrika eingekerkert, haben die feinen Federfuchser in ihre Liste aufgenommen – rechtzeitig zu seinem 70. Geburtstag.