Wozu denn Namen, Alter und Beruf; es gibt ihn überall, den rundum versicherten Bundesbürger. Seine Blicke richten sich öfter nach oben. Damit ist, ohne es auszusprechen, der Himmel gemeint, schließlich hat man trotz gründlicher Abdeckung aller erdenklichen Risiken heutzutage keinen Grund, nach vorn zu sehen. So gefestigt, zieht er auch den Leibgürtel nicht mehr stramm, benutzt statt dessen zunehmend Hosenträger, farbiger als die herkömmlichen und zuverlässig breiter. Seinen Lebensinhalt bilden bekanntlich Beruf und Familie. Folglich ähnelt jedes Wohnungseigentum einer festen Burg, vom Keller bis zum Dachboden, nichts ist ungesichert, alles scheinbar kampfbereit.

Im Garten fehlen nur noch die Fahnenstangen, hinter den Mauern verrutscht nicht mal ein Teppich, und welchen Gedanken gibt es jeden Abend zum Schluß: Na wenn schon, wir sind doch rundum versichert. Und die Kinder, allmählich ins Auto hineingewachsen, lernen rechtzeitig, welch verhängnisvolle Folgen Lackkratzer haben können und daß sie nicht in irgendeinem Auto fahren, sondern in einem Wohnzimmer auf Rädern. Gegen Unfälle möchten sie durch Panzerplatten gewappnet sein; ihr Vater denkt zumindest ebenso.

Und geht es auf Reisen, denkt man zuerst an Unfälle und den Heimtransport durch Hubschrauber und Krankenhausaufenthalte mit Tagegeld. Zur Gesundheitspflege, die auch nicht zu kurz kommen darf, gehört das Fahrrad. Der Wertersatz bei Diebstählen steht außer Frage, und beim Wochenendeinkauf auf Märkten hat man wegen der Taschendiebe und Handtaschenräuber die betreffenden Richtlinien der Police im Kopf. Deshalb drücken die Ehefrauen und Gefährtinnen nachts vorm Einschlafen oft die Hände ihrer Männer oder suchen Schutz in ihren Armen. Denken sie allerdings an Tschernobyl, ist die Welt dem Totalschaden nahe, ausgeplündert und verwest; doch Angst bindet ja.