Wir sind gewarnt. Der Warnstreik einiger Mitarbeiter der "Tagesschau"-Redaktion des NDR in Hamburg lehrt, was man in Sendeanstalten, die sich gern auf ihren "öffentlichrechtlichen" Auftrag berufen, von der Informationspflicht hält. Mit 45 Sekunden Verspätung dröhnen am Abend des 25. Juli die "Tagesschau" Fanfaren. Dann erscheint ein ungewohnt kleines Bild, und ein fremder Sprecher erschreckt uns mit der ersten Meldung, die "Tagesschau" komme heute aus München, "wegen höherer Gewalt".

Haben die Vermummten der Hafenstraße den Sender besetzt? Ist der Große Vorsitzende in München den Nordlichtern aufs Kabel getreten? Keine Erklärung. Nach einer Sendung mit behäbig provinziellen Einschüben (zum Beispiel über die darbende Sportartikelfirma, die gestern noch ihren Stars die Tennisschuhe mit Millionenscheinen wattiert hat) folgt am Schluß eine andere Begründung: "Wegen Technikausfalls" werde aus München gesendet. Daß in Hamburg Angestellte von ihrem Streikrecht im Tarifstreit Gebrauch gemacht haben: kein Wort. Daß uns die Konserve der 18.45 Uhr-"Rundschau" von Bayern III serviert wurde, ist keine Silbe wert.

Weshalb diese Angst, Fernseh-Zuschauer der Wahrheit entsprechend zu informieren? Hier gab es keinen "Technikausfall". Hier ist mehr ausgefallen: eine Nachricht, die auch dann wichtig ist, wenn einer den Streik für unangemessen hält.

R.M.