Eine "Friedenssäule", die nur Unfrieden stiftet

Dortmund

Unsere Welt, klagt die Bildhauerin Susanne Wehland, sei "so klein geworden; daß es immer dringlicher wird, zu einem weltweiten Frieden zu kommen". Künstlerisch umgesetzt hat sie ihr Anliegen in das Modell einer Säule. Auf dem die Säule umspielenden Relief nehmen sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen bei der Hand. Das Werk krönt eine vergoldete Kugel, Symbol des Erdballs.

Die Berliner Künstlerin gewann mit dieser Arbeit den von der Stadt Dortmund ausgeschriebenen "Wettbewerb für ein Friedenssymbol Die Stadt baut derzeit ein neues Rathaus. Und weil der Platz davor "Friedensplatz" heißt und weil laut Richtlinie "RL Bau NW, K 7" für Kunst am Bau zwischen 0,4 und zwei, Prozent der Bausumme auszugeben ist, soll eine Plastik dort künftig "Völkerverständigung und Frieden ausdrücken".

Doch zunächst stiftet die "Friedenssäule" nur Unfrieden. Die Jury nämlich hat an die Preisvergabe eine Bedingung geknüpft: Die Kugel muß weg. Sie störe die "Offenheit" des Werkes, sagt der Jury-Vorsitzende, der Krefelder Bildhauer Hans-Joachim Albrecht. Eine solche Säule dürfe "keine Ouvertüre und kein Finale" haben – das heißt: unten "keinen Sockel wie eine klassische Säule". Und oben keine Kugel. Man müsse sehr aufpassen, daß man nicht in die Nähe einer "Siegessäule" gerate.

Für den runden Sockel hat die Jury ebenfalls eine Änderung empfohlen: Er soll verbreiten werden, um so "vernünftige Sitzgelegenheiten" zu schaffen und aus der – im Original acht Meter hohen – Friedenssäule eine "Treff-Säule" zu machen. Dies, so Albrecht, entspreche auch der "Idee eines offenen Zeichens" und dem Figuren-Reigen auf der Säule.

Die Künstlerin selbst, Susanne Wehland, meint, daß sie sich bei der goldenen Kugel "eigentlich schon was gedacht" habe.