Glaubt man den ohne Unterlaß wiederholten amtlichen Beteuerungen, dann steht zwischen Frankreich und der Bundesrepublik alles zum besten. Noch nie war die Zusammenarbeit so eng, noch nie das Einverständnis so groß wie heute. Doch dann moniert urplötzlich der Pariser Finanzminister Pierre Bérégovoy, die Deutsche Bundesbank lasse die wünschenswerte Kooperation vermissen, und postwendend giftet deren Präsident zurück, davon könne keine Rede sein. Von Harmonie keine Spur.

Im Prinzip geht es um die Zinspolitik beider Länder. Die Bundesbank hat mehrfach in jüngster Zeit die Zinssätze erhöht, in Frankreich sinken die Zinsen. Frankfurt will den Höhenflug des Dollars bremsen (und damit den Import von Inflation), Paris geht es mehr um die Verbilligung von Investitionen. Die Deutschen liegen mit ihrer Politik im internationalen Trend, die Franzosen sperren sich dagegen. So gesehen ist der Vorwurf, die Bundesbank handle im Alleingang, alles andere als überzeugend.

Doch das eigentliche Problem reicht tiefer. In Paris wächst die Sorge, das Europäische Währungssystem könne sich zu einer großen Mark-Zone entwickeln, in der allenfalls Platz für ein paar Satelliten-Währungen (wie den holländischen Gulden) bliebe, wo der französische Franc aber nichts zu bestellen hätte. Eine Befürchtung, die durch einen Blick auf das immer noch wachsende Defizit Frankreichs im Handel mit der Bundesrepublik bekräftigt wird.

Dazu kommt die sicher richtige Einschätzung der Franzosen, daß in Frankfurt wie in Bonn – allen anderslautenden Beteuerungen zum Trotz – kein ernsthaftes Interesse an einer engeren wirtschafts- und währungspolitischen Zusammenarbeit mit Paris besteht. Der vereinbarte bilaterale Wirtschafts- und Finanzrat ist für Finanzminister Gerhard Stoltenberg wie für Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl eine lästige Pflichtveranstaltung, die man besser gar nicht erst erfunden hätte. So ist die Frustration der Franzosen darüber zu verstehen, daß die Deutschen immer nur das strikte Minimum tun, sich aber gerne als die großen Europäer feiern lassen. smi