Das Privileg der Staatsdiener besteht indes nicht allein in der Beitragsfreiheit. Weitere Vorteile kommen hinzu:

• Der Beamte erreicht schon nach 35 Dienstjahren einen Ruhegeldanspruch in Höhe von 75 Prozent seines Bruttogehaltes. Der Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung hingegen kann auch nach 45 Arbeitsjahren nicht mehr als 45 Prozent des Bruttoeinkommens erzielen.

• Der Beamte bezieht Pension nach Maßgabe des zuletzt vor Eintritt in den Ruhestand empfangenen Bruttogehaltes; die Rente des privaten Arbeitnehmers hingegen wird aus dem Durchschnitt seines Lebenseinkommens berechnet. Allein dies führt bei vergleichbarer Einkommensentwicklung im Leben eines Arbeitnehmers und eines Beamten zu wesentlich höheren Versorgungsbezügen für den Staatsdiener.

• Das Beamtenversorgungsrecht erleichtert die Frühpensionierung, bewertet Ausbildung und Wehrdienstzeiten höher und gewährt eine wesentlich höhere Mindestpension als die Mindestrente für Arbeitnehmer mit Kleinsteinkommen. Tatsächlich liegt die Mindestpension für verheiratete Beamte ohne Kinder mit 1500 Mark heute knapp über dem Durchschnitt aller Männerrenten in der Versicherung für Arbeiter und Angestellte.

In den Ruhestand vor Vollendung des 63. Lebensjahres gehen derzeit mehr als die Hälfte aller Beamten (58 Prozent), aber nur 41 Prozent der privaten Arbeitnehmer. Eigentlich wäre eher das Gegenteil zu erwarten, weil unter den Beamten der Frauenanteil niedriger liegt als in der Gesamtheit der arbeitenden Bevölkerung, weil nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Beamten eine stark gesundheitsgefährdende Tätigkeit ausübt und weil dank der garantierten Lebenszeitanstellung kein Beamter dem Druck des Arbeitsmarktes ausgesetzt ist, der viele private Arbeitnehmer auch gegen ihren Willen in den Vorruhestand treibt. Die Erklärung für den Frühpensionsdrang im öffentlichen Dienst liegt dennoch auf der Hand: In aller Regel haben die Beamten ihre Höchstpension schon fünf oder mehr Jahre vor dem regulären Dienstzeitende erreicht; ein Anreiz, länger zu arbeiten, besteht für sie nicht mehr.

Nun ist die Beamtenlobby, organisiert im Deutschen Beamtenbund, der Kritik am Versorgungsprivileg des öffentlichen Dienstes seit jeher mit der These begegnet, die Beamten leisteten vorab durch Besoldungsverzicht einen – gleichsam versteckten – Beitrag zu ihrem schönen Ruhegeld. Sie würden vom Dienstherrn ja nur "alimentiert", aber keineswegs leistungsgerecht bezahlt. Zu Kaisers Zeiten war dieser Einwand voll berechtigt: Von den höheren Beamten erwartete die Monarchie, daß sie wie Offiziere ihren Dienst um der Ehre willen leisteten; Geld mußten sie schon selbst mitbringen oder sich erheiraten. Die Kleinen, Postschaffner und Bahnwärter, Lehrer und Polizisten, bekamen einen Hungerlohn und zum Ausgleich für ihre Treue einmal im Leben einen Orden. Auch der Reichskanzler Brüning konnte es sich gegen Ende der Weimarer Republik noch leisten, im Wege des Notverordnungsrechts die Beamtengehälter im Deutschen Reich linear zu kürzen – freilich erst, als schon Millionen Arbeitslose Schlange vor den Suppenküchen der Wohlfahrtsorganisationen standen.

Privilegien festgeschrieben