Die Zeiten sind lange vorbei. Heute streitet der Beamtenbund um Arbeitszeitverkürzung und Gehaltserhöhung für Beamte wie jede Gewerkschaft für ihre lohnabhängigen Mitglieder auch. Er tat es in der Vergangenheit freilich mit mehr Erfolg für die Angehörigen des gehobenen und des höheren Dienstes als für die unteren Gehaltsgruppen. Die große Zahl der kleinen Beamten des einfachen und mittleren Dienstes hat mit dem Siegeszug der Facharbeiter in die Einkommensklasse der Angestellten nicht Schritt halten können. Sie dürfen deshalb auch nicht als erste geschröpft werden, wenn es darum geht, den Beamten einen Eigenbeitrag zu ihrer Altersversorgung abzuverlangen.

Im übrigen ist die gewerkschaftsähnliche Interessenvertretung von Beamten für Beamte in einer Demokratie völlig legitim. Die Beamten sind schließlich nicht mehr Diener eines abstrakt gedachten Dienstherrn namens Staat, den es selbst dann noch gäbe, wenn kein Mensch mehr da wäre, den er regieren könnte. Sie stehen in einem schlichten Beschäftigungsverhältnis zum Volk, also zur Gesamtheit der Steuer-Bürger, von denen nach der Verfassung "alle Staatsgewalt ausgeht". Dieser Umstand begrenzt ihre Pflichten auf die eines normalen Arbeitnehmers; er gibt aber auch keinen Raum mehr für Sonderrechte.

Hier ist freilich noch ein letzter Einwand der Beamten-Gewerkschaft zu beachten: Sie hat, weil anders die "hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums" nicht zu halten waren, standhaft Verzicht auf das Streikrecht für Beamte geleistet. Ein Opfer, ein Sonderopfer gar für die hehre Staatsidee? Nun, die Beamten haben ihre Privilegien wie kein anderer Berufsstand sonst im Grundgesetz selbst festgeschrieben. Der Parlamentarische Rat, so meinte der ehemalige ÖTV-Vorsitzende Heinz Kluncker, habe das Berufsbeamtentum wohl "im Zustand der Geistesabwesenheit" konzipiert. So wußten die Staatsdiener immer, daß die Entwicklung ihrer Einkommen dem allgemeinen Wirtschaftswachstum folgen würde. Das Bundesverfassungsgericht verbriefte ihnen schon früh den Anspruch auf "Radio- und Fernsehgerät, Zeitungs- und Zeitschriftenbezug, Kraftwagen, Urlaubsreise, Bausparvertrag, Lebensversicherung und Krankenversicherung" (neben Beihilfe im Krankheitsfall und Pension). Vor allem aber bieten ihnen die jährlichen Tarifverhandlungen der ÖTV mit den öffentlichen Arbeitgebern einen verläßlichen Transmissionsriemen. Wie jeder seiner Vorgänger versicherte Bundesinnenminister Zimmermann den Beamten zum Jahresbeginn: "Auch in diesem Jahr kann es keine Zweifel daran geben, daß die Ergebnisse der Tarifverhandlungen auf den Beamtenbereich übertragen werden." Das Streikrecht für Beamte ist schlicht überflüssig, weil ihre nichtbeamteten Kollegen im öffentlichen Dienst es jederzeit stellvertretend für sie wahrnehmen.

Nur der Beitrag zur eigenen Altersversorgung wird nun für den Beamtenstand wohl fällig. Er wird ihm nicht schwer gemacht. Die Eigenleistung der großen Beamten zur Pension soll in zehn und die der kleinen sogar erst in 20 Jahren die Höhe des Arbeitnehmeranteils in der Rentenversicherung erreichen. Es bleibt also genügend Zeit für die Einsicht, daß im sozialen Rechtsstaat hergebrachte Pfründen nicht für alle Ewigkeit Bestand haben können.