Erstmals wird eine Frau Chefin des Verbandes der Automobilindustrie

Von Marie-Luise Hauch-Fleck

Wie wollen Sie mich haben? Sitzend, stehend, liegend?" Uneitel, fast burschikos stellt sich Erika Emmerich, Präsidentin des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), der Photographie Kurz vorher hat sie stolz die Bilder ihrer drei Töchter aus der Brieftasche gezupft. "Das, was Muttern halt so mit sich rumträgt." Alle drei studieren noch, zwei haben sich für die Betriebswirtschaft entschieden, die dritte für das Fach Architektur.

Durchaus geschmeichelt registriert Erika Emmerich die derzeitige Aufmerksamkeit der Medien. Die allerdings gilt weniger der dreifachen Mutter und auch nicht der Leiterin des KBA, sondern ihrem neuen Job. Ab Januar soll die promovierte Juristin den Verband der Automobilindustrie (VDA) führen. Einstimmig hat der VDA-Vorstand sie als Kandidatin benannt, die Wahl am 23. September durch die Mitgliederversammlung ist, daran zweifelt niemand, nur noch reine Formalität.

Mit ihrer Berufung bricht der Verband nicht nur mit der Tradition, erfahrene Automanager mit der Führung des VDA zu betrauen. Zum ersten Mal auch wird mit der gebürtigen Magdeburgerin eine Frau an der Spitze der mächtigen Industrie-Interessenvertretung stehen, deren 400 Mitglieder immerhin 750 000 Beschäftigte repräsentieren. "Eine perfekte Überraschung für einen Verband, der vor noch nicht allzulanger Zeit zu Herrenabenden während der Automobil-Ausstellung bat", konstatiert denn auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung verblüfft. "Ich presche vor in frauliches Niemandsland", räumt Erika Emmerich ein. Aber Angst macht ihr diese Vorreiterrolle nicht. "Angst habe ich nie gehabt. Angst ist der größte Hemmschuh. Das schlimmste Handicap für eine Frau ist doch, wenn sie sich sagt, da hab ich keine Chance, wenn sie sich von Anfang an für nicht geeignet hält", beschreibt die resolute Kandidatin ihre Lebensphilosophie. In Männerdomänen einzubrechen, ist sie ohnehin schon gewohnt.

Seit fünf Jahren leitet die 54jährige die Flensburger Behörde, kompetent, fleißig und ohne Anstoß zu erregen. Schon als sie diesen Posten übernahm, registrierten Zeitungen erstaunt, daß der-Bundesverkehrsminister ausgerechnet einer Frau die Oberaufsicht über das "Verkehrssünderregister" übertragen hatte. Außer für die Strafpunkte ist das Amt auch zuständig für die Zulassungsgenehmigungen von Fahrzeugen. "Keiner hat mich gefragt, was ich hier machen will, alle wollten wissen, wieso ich als Frau dazu komme", erinnert sich die Beamtin an die Reaktionen.

Das Angebot aus Frankfurt hat sie ohne lange Bedenkzeit angenommen. Von Flensburg weg zog es sie nämlich ohnehin, wenngleich sie ursprünglich ganz andere Absichten hatte. "Meine Intention ging nach Bonn." Dort wird Ende des Jahres im Bundesverkehrsministerium die Stelle des Leiters der Abteilung Straßenverkehr frei. Auf diese Position wollte sie sich bewerben – mit sehr guten Chancen auf Erfolg, wie die Juristin glaubt.