Frag mich nicht, wie es mir geht! Mir geht es nämlich beschissen", sagte mein alter Freund Axel zur Begrüßung, als ich ihm am Tresen herzlich den Arm um die Schulter legte. Was denn mit ihm los sei, fragte ich besorgt.

"Nichts! Das ist es ja. Ich bin ein Versager."

"Wer sagt das?"

"Alle. Die Familie. Die Kollegen. Die Freunde. Und du insgeheim sicher auch." Ich schüttelte heftig den Kopf. Dann wurde er konkret: "Und das alles nur, weil ich in keine dieser spektakulären Affären verstrickt war. Weder Nachmann, noch Nukem. Ich habe weder in Kiel mitgespielt, noch in Hannover bei der Spielbank-Affäre meine Finger im Spiel gehabt. Ich war noch nicht mal in einen Bauland-Skandal verwickelt. Wie konnte ich auch Schmier- oder Bestechungsgelder annehmen, wenn mir nie welche angeboten wurden – von Schweigegeldern ganz zu schweigen? In einschlägigen Kreisen werde ich geringschätzig ‚Der Unbestechliche‘ genannt. Das sagt ja wohl alles. Wie kann ich mit einem solchen Ruf auf einen grünen Zweig kommen?" Darauf barg er wimmernd seinen Kopf in meiner Schulter.

"Du willst mir also weismachen, daß du mit einer blütenweißen Weste herumläufst, Axel?"

Er senkte beschämt den Kopf. "Bitte behalte das für dich – aber ich habe sogar bei der Steuer noch nie geschummelt."

"Das klingt ja geradezu pervers", stammelte ich.