Marktforscher sind besonders feinfühlig, wenn es darum geht, die neuesten gesellschaftlichen Trends aufzuspüren. Diesmal wollte das Verlagshaus Handelsblatt mehr wissen über "die Frau als Aktionärin" und beauftragte das Frankfurter Laukhuff-Team für angewandte Psychologie mit einer Marktstudie. Die Forscher befragten 201 Frauen zwischen Hamburg und München. Das Ergebnis: Aktionärinnen heben sich nicht nur gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen ab "in Richtung einer ausgeprägteren Emanzipation im wirtschaftlichen Leben". Es gibt tatsächlich auch den gewissen kleinen Unterschied zwischen Aktionärinnen und Aktionären.

Die überzeugendste Passage der vorsichtig formulierenden Psychologen liest sich so: "Es gibt Hinweise dafür, daß Aktionärinnen sich vor dem Aktienerwerb ausführlicher informieren als Aktionäre. Inwieweit darin ein Bedürfnis zum Ausdruck kommt, die Kaufentscheidung sorgfältig vorzubereiten und selbst zu entscheiden, oder ob daraus eine zunächst größere Unsicherheit zu schließen ist, kann nicht eindeutig entschieden werden. Manches spricht dafür, daß es unter den Aktienbesitzerinnen zwei entsprechende Grundtypen gibt." Unter den Aktionären nicht?

Auch wenn die Forscher dazu eine Antwort schuldig bleiben, so erklären sie wenig später, worauf es Frauen überhaupt bei Geldanlagen ankommt: "auf hohen Gewinn und auf hohe Sicherheit". Dabei werde der Aspekt Gewinn von Frauen "deutlich mehr betont" als von Männern. Aktionärinnen spekulieren mit anderen Worten lieber. In einem jedoch sind sich anscheinend alle gleich: "Auch für Frauen, die Aktien besitzen, gelten Einblicke in ihre Vermögensverhältnisse als indiskret; sie unterscheiden sich darin also in keiner Weise von den Männern." Wer Einblick in die 83 Seiten dicke Studie haben möchte, bekommt sie beim Düsseldorfer Handelsblatt für 69 Mark.

kah